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Fear & Greed Index und Marktstimmung bei Edelmetallen

· Updateintervall: 1 Minute ·
Der Fear & Greed Index misst die aktuelle Marktstimmung bei Edelmetallen auf einer Skala von 0 (extreme Angst) bis 100 (extreme Gier). Sechs Indikatoren — Momentum, Volatilität, Gold-Silber-Ratio, Preisbeschleunigung, Abstand zum Allzeithoch und USD-Stärke — fließen täglich in die Berechnung ein. Konträre Anleger nutzen extreme Werte als Einstiegssignal: Starke Angst kann auf Kaufgelegenheiten hindeuten, übertriebene Gier auf eine bevorstehende Korrektur. Im Vergleich unten sehen Sie die Stimmung für alle fünf Edelmetalle auf einen Blick, inklusive historischem Verlauf. Der Ratgeber erklärt die Methodik im Detail, die Psychologie hinter dem Index und seine Grenzen als Timing-Werkzeug.
Vergleich
Fear & Greed Vergleich

Die Tabelle zeigt den aktuellen Fear & Greed Score aller fünf Edelmetalle im direkten Vergleich. Jeder Wert liegt zwischen 0 (Extreme Angst) und 100 (Extreme Gier).

Die Spalten zeigen die sechs Einzel-Indikatoren: Momentum, Volatilität, Ratio-Signal, Beschleunigung, ATH-Abstand und USD-Stärke. Klicken Sie auf ein Metall für die Detail-Analyse.

Metall Score Stimmung Momentum Volatilität Ratio Beschl. ATH USD
Gold 39 Angst 7 73 26 37 57 37
Silber 46 Neutral 13 90 74 24 20 37
Platin 40 Neutral 8 90 27 32 31 37
Palladium 30 Angst 2 61 37 31 0 37
Kupfer 67 Gier 82 89 17 89 37

Stand: 2026-05-28. Alle Werte 0–100 (0 = Extreme Angst, 100 = Extreme Gier). Berechnung auf Basis der LBMA-Fixingpreise (Kupfer: Spot-Preis).

Historischer Verlauf
Historischer Verlauf

Der Chart zeigt den Fear & Greed Index aller Edelmetalle im zeitlichen Verlauf. Jede Linie entspricht einem Metall.

Bedienung: Wählen Sie oben den Zeitraum (1M bis Max). Klicken Sie auf die Metall-Buttons, um einzelne Linien ein- oder auszublenden. Fahren Sie mit der Maus über den Chart, um die Werte an einem bestimmten Tag zu sehen.

Die farbigen Zonen im Hintergrund markieren die Stimmungsbereiche: Rot = Angst, Gelb = Neutral, Grün = Gier.

Fear & Greed Index Übersicht: Gold 39 (Angst), Silber 46 (Neutral), Platin 40 (Neutral), Palladium 30 (Angst), Kupfer 67 (Gier).
Wie funktioniert der Fear & Greed Index?

Der Fear & Greed Index misst die aktuelle Marktstimmung für Edelmetalle auf einer Skala von 0 (Extreme Angst) bis 100 (Extreme Gier). Er basiert auf 6 Indikatoren, die täglich aus echten Marktdaten berechnet werden:

Momentum (25%)

Preis relativ zum 50-Tage-Durchschnitt. Über dem Schnitt = Gier, darunter = Angst.

Volatilität (25%)

Kurzfristige vs. langfristige Schwankungen. Hohe kurzfristige Volatilität = Angst.

Ratio-Signal (15%)

Gold/Silber-Ratio und Metall-Verhältnisse als Stimmungsindikator.

Beschleunigung (15%)

Veränderung der Preisdynamik: Beschleunigt sich der Trend oder bremst er ab?

ATH-Abstand (10%)

Nähe zum Allzeithoch. Nahe am ATH = Gier, weit entfernt = Angst.

USD-Stärke (10%)

EUR/USD-Trend über 20 Tage. Schwacher Dollar = Gier für Edelmetalle.

Psychologie hinter dem Index

Finanzmärkte werden nicht nur von Fundamentaldaten bewegt, sondern maßgeblich von menschlichen Emotionen. Zwei Kräfte dominieren das Anlegerverhalten: Angst (Fear) — die Furcht vor Verlusten, die zu Panikverkäufen und Untergewichtung führt — und Gier (Greed) — die Euphorie bei steigenden Preisen, die zu Übertreibungen und riskantem Verhalten verleitet.

Das Pendel der Marktstimmung

Die Marktstimmung schwingt regelmäßig zwischen Extremen. In Angstphasen verkaufen Anleger oft unter Wert, weil sie weitere Verluste fürchten. In Gierphasen kaufen sie zu überhöhten Preisen, weil sie den nächsten Anstieg nicht verpassen wollen (FOMO — Fear of Missing Out). Beide Extreme erzeugen Fehlbewertungen, die sich langfristig korrigieren.

Warum ein Stimmungsindex hilft

Das Problem: Als Anleger steckt man selbst in der Stimmung — und merkt es nicht. Wenn alle Nachrichten negativ sind und das eigene Portfolio rot leuchtet, fühlt sich Verkaufen "richtig" an. Ein objektiver Stimmungsindex schafft Distanz. Er quantifiziert, was Schlagzeilen nur qualitativ beschreiben, und hilft dabei, die eigene emotionale Reaktion einzuordnen.

Warren Buffett: "Be fearful when others are greedy, and greedy when others are fearful." — Dieses Prinzip ist die Grundidee hinter der konträren Nutzung von Sentiment-Indikatoren.

Die 6 Indikatoren im Detail

Unser Fear & Greed Index kombiniert sechs technische Marktindikatoren, die jeweils unterschiedliche Aspekte der Marktstimmung erfassen. Die Gewichtung spiegelt die Aussagekraft jedes Indikators wider:

Momentum

25 %

Vergleicht den aktuellen Preis mit dem 50-Tage-Durchschnitt (SMA50). Liegt der Preis deutlich über dem Schnitt, herrscht Aufwärts-Momentum und Gier. Liegt er darunter, überwiegt Angst. Ein Abstand von mehr als 10 % zum SMA50 deutet auf eine Übertreibung hin.

Volatilität

25 %

Vergleicht die kurzfristige Schwankungsbreite (10 Tage) mit der langfristigen (60 Tage). Steigt die kurzfristige Volatilität sprunghaft an, signalisiert das Nervosität und Angst. Niedrige, stabile Volatilität deutet auf Gelassenheit oder Gleichgültigkeit hin.

Ratio-Signal

15 %

Analysiert das Gold/Silber-Ratio und weitere Metall-Verhältnisse. Ein stark steigendes Gold/Silber-Ratio (Gold gewinnt relativ zu Silber) signalisiert Flucht in Sicherheit und Angst. Ein fallendes Ratio zeigt Risikoappetit — Anleger setzen auf das industrielastigere Silber.

Beschleunigung

15 %

Misst, ob sich der aktuelle Preistrend beschleunigt oder abschwächt. Eine zunehmende Aufwärtsbeschleunigung signalisiert wachsende Gier — immer mehr Käufer springen auf. Eine Verlangsamung nach starkem Anstieg kann eine bevorstehende Trendwende andeuten.

ATH-Abstand

10 %

Misst die Entfernung zum Allzeithoch (All-Time High). Je näher der Preis am ATH liegt, desto gieriger ist die Stimmung — Anleger erwarten neue Rekorde. Ein Abstand von über 20 % zum ATH zeigt hingegen Resignation und Angst.

USD-Stärke

10 %

Verfolgt den EUR/USD-Trend über 20 Handelstage. Ein schwächelnder Dollar ist tendenziell positiv für Edelmetalle (Gier), da in Dollar gehandelte Rohstoffe für Nicht-Dollar-Käufer günstiger werden. Ein erstarkender Dollar drückt die Preise und signalisiert Angst.

Die 5 Stimmungszonen

Der Index unterteilt die Skala von 0 bis 100 in fünf Zonen. Jede Zone beschreibt eine typische Marktsituation mit charakteristischem Anlegerverhalten:

0–20

Extreme Angst

Panik und Kapitulation dominieren. Anleger verkaufen massiv, oft unter Wert. Nachrichtenfluss ist überwiegend negativ. Historisch waren solche Phasen in vielen Fällen gute Einstiegspunkte — allerdings kann "Extreme Angst" auch über Wochen anhalten, bevor eine Erholung einsetzt.

21–40

Angst

Überwiegende Vorsicht. Anleger halten Cash oder reduzieren Positionen. Die Stimmung ist gedämpft, aber noch nicht panisch. Oft eine Phase der Bodenbildung, in der sich mutige Käufer langsam positionieren.

41–60

Neutral

Ausgewogene Marktstimmung. Weder Angst noch Gier überwiegen — der Markt wartet auf richtungsweisende Impulse. Typisch für Seitwärtsphasen und Konsolidierungen. Keine extreme Fehlbewertung in die eine oder andere Richtung.

61–80

Gier

Wachsender Optimismus und steigende Risikobereitschaft. Preise steigen stetig, positive Nachrichten überwiegen. Anleger werden selbstbewusster — die Gefahr von Nachkäufen zu überhöhten Preisen steigt. Noch kein zwingender Warnhinweis, aber Vorsicht ist geboten.

81–100

Extreme Gier

Euphorie und FOMO-Käufe. "Diesmal ist alles anders" — ein typischer Satz dieser Phase. Historisch gingen Phasen extremer Gier häufig Korrekturen voraus. Kein Grund zur Panik, aber ein Signal, keine impulsiven Nachkäufe zu tätigen und stattdessen bestehende Gewinne abzusichern.

Konträres Investieren mit dem Fear & Greed Index

Die wohl bekannteste Anwendung von Sentiment-Indikatoren ist die konträre Strategie: gegen den Strom schwimmen, wenn die Masse in Panik gerät oder vor Euphorie überschäumt.

Kaufen in Angstphasen

Wenn der Index unter 20 fällt, herrscht Extreme Angst. Die meisten Anleger verkaufen oder wagen keinen Einstieg. Historisch boten genau diese Phasen an den Edelmetallmärkten oft attraktive Einstiegskurse — etwa nach dem Flash-Crash 2013, dem Corona-Einbruch im März 2020 oder während der Zinsangst 2022. Voraussetzung: Man muss die Nerven haben, gegen die vorherrschende Stimmung zu handeln und kurzfristige weitere Verluste auszuhalten.

Vorsicht in Gierphasen

Ein Index über 80 bedeutet nicht, dass man sofort verkaufen sollte — Trends können länger laufen als erwartet. Aber es ist ein Signal, keine neuen impulsiven Käufe zu tätigen und bestehende Positionen bewusst zu halten. Wer regelmäßig per Sparplan kauft, kann in Gierphasen die Rate beibehalten, sollte aber keine Sonderkäufe tätigen.

Praktische Regeln

  • Index unter 25: Prüfen, ob eine Aufstockung bestehender Positionen sinnvoll ist. Nicht auf den absoluten Tiefpunkt warten — den erwischt man fast nie.
  • Index 40–60: Normalbetrieb. Sparplan weiterlaufen lassen, keine Sonderaktionen nötig.
  • Index über 80: Keine Panikkäufe. Bestehende Position halten, aber kritisch prüfen, ob man wirklich noch nachkaufen möchte.

Wichtig: Konträres Investieren erfordert Disziplin und einen langfristigen Anlagehorizont. Es funktioniert nicht als kurzfristiges Trading-Signal — ein Index von 15 kann nächste Woche bei 10 stehen, bevor die Wende kommt. Die Strategie zahlt sich über Monate und Jahre aus, nicht über Tage.

Grenzen des Sentiment-Index

So nützlich der Fear & Greed Index als Orientierungshilfe ist — kein einzelner Indikator kann die Komplexität eines Marktes vollständig abbilden:

  • Kein Timing-Instrument — Der Index zeigt Stimmungsextreme an, aber nicht den exakten Wendepunkt. Ein Index von 10 kann morgen bei 5 stehen, bevor es dreht. "Extreme Angst" kann Wochen dauern.
  • Rein technisch basiert — Der Index berechnet sich aus Preis- und Kursdaten. Er erfasst keine qualitativen Faktoren wie Zentralbank-Ankündigungen, geopolitische Entwicklungen oder regulatorische Änderungen, die den Markt fundamental verändern können.
  • Strukturbrüche möglich — In Phasen mit anhaltend neuen Allzeithochs (wie 2024/25 bei Gold) kann der Index dauerhaft im Gier-Bereich verharren, ohne dass eine Korrektur folgt. Strukturell steigende Nachfrage (Zentralbankkäufe, De-Dollarisierung) kann traditionelle Sentiment-Zyklen überlagern.
  • Metall-spezifisch interpretieren — Ein Score von 30 bei Gold (primär Anlagemetall) hat eine andere Bedeutung als bei Palladium (primär Industriemetall). Die Detail-Seite jedes Metalls bietet eine differenziertere Analyse als die Übersichtsseite.

Fazit: Der Fear & Greed Index ist ein Kompass, kein GPS. Er zeigt die Richtung der Marktstimmung, aber nicht den exakten Weg. Nutzen Sie ihn als einen von mehreren Bausteinen — neben Fundamentalanalyse, saisonalen Mustern und dem eigenen Anlagehorizont.

Häufige Fragen zum Fear & Greed Index

Was genau misst der Fear & Greed Index?

Der Index quantifiziert die vorherrschende Marktstimmung auf einer Skala von 0 bis 100. Er aggregiert sechs technische Indikatoren — Momentum, Volatilität, Ratio-Signal, Beschleunigung, ATH-Abstand und USD-Stärke — zu einem einzigen Wert. Niedrige Werte signalisieren Angst (Anleger verkaufen, Preise fallen), hohe Werte signalisieren Gier (Anleger kaufen euphorisch, Preise steigen schnell).

Ist der Fear & Greed Index ein Kaufsignal?

Nein, der Index ist kein direktes Handelssignal, sondern ein Stimmungsbarometer. Ein Wert im Bereich "Extreme Angst" bedeutet nicht automatisch, dass die Preise morgen steigen — die Angst kann berechtigt sein und die Preise weiter fallen. Dennoch zeigt die historische Erfahrung, dass Phasen extremer Angst statistisch häufig gute Einstiegspunkte waren, weil die Panikverkäufe irgendwann auslaufen.

Warum unterscheiden sich die Werte für verschiedene Metalle?

Jedes Metall hat eigene Marktdynamiken. Gold als primäres Anlagemetall reagiert stark auf geopolitische Unsicherheit und Zinsentscheidungen. Silber schwankt stärker, weil es sowohl als Anlage als auch industriell nachgefragt wird. Platin und Palladium werden hauptsächlich von der Automobilindustrie getrieben. Deshalb kann Gold "Extreme Gier" anzeigen, während Palladium gleichzeitig in "Angst" steht.

Wie oft wird der Index aktualisiert?

Der Fear & Greed Index wird einmal täglich auf Basis der aktuellen Marktdaten neu berechnet. Die Berechnung erfolgt nach dem LBMA-Fixing und berücksichtigt die Schlusskurse des Tages. Intraday-Schwankungen fließen nicht ein — der Index bildet die übergeordnete Stimmungslage ab, nicht kurzfristige Ausschläge.

Was bedeuten die einzelnen Stimmungszonen?

Der Index kennt fünf Zonen: "Extreme Angst" (0–20) signalisiert Panik und Kapitulation am Markt. "Angst" (21–40) zeigt überwiegende Vorsicht. "Neutral" (41–60) bedeutet ausgewogene Marktstimmung ohne klare Richtung. "Gier" (61–80) signalisiert wachsenden Optimismus und steigende Risikobereitschaft. "Extreme Gier" (81–100) deutet auf Euphorie hin, die oft mit überkauften Märkten einhergeht.

Kann ich den Index für langfristige Anlageentscheidungen nutzen?

Der Fear & Greed Index eignet sich primär als kurzfristiges Stimmungsbarometer und ergänzender Indikator, nicht als alleinige Grundlage für langfristige Entscheidungen. Für die strategische Vermögensanlage sind fundamentale Faktoren (Inflation, Zinspolitik, Angebot und Nachfrage) wichtiger. Der Index kann aber helfen, den Einstiegszeitpunkt zu optimieren: Wer ohnehin Gold kaufen möchte, findet in Angstphasen statistisch günstigere Preise.

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