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Reinheit & Legierungen

800er Silber

Auch: 800er, Standardsilber, Tafelsilber 800

800er Silber ist eine Silberlegierung mit einem Feingehalt von 800 Tausendteilen (80 %), die vor allem in deutschem und europäischem Tafelsilber und Besteck verbreitet ist.

800er Silber bezeichnet eine Silberlegierung, die zu genau 800 Tausendteilen – also 80 Gewichtsprozent – aus reinem Silber besteht. Die restlichen 20 % entfallen überwiegend auf Kupfer, das die mechanische Festigkeit und Bearbeitbarkeit verbessert. In Deutschland war 800er Silber über Jahrzehnte der gesetzliche Mindeststandard für Silberwaren und ist bis heute die häufigste Legierung, die man in Erbstücken, Altbeständen und Flohmärkten antrifft. Den aktuellen Silberpreis sowie den Schmelzwert eines konkreten Stücks können Sie jederzeit online berechnen.

Punzen und Erkennungsmerkmale

In Deutschland wird 800er Silber traditionell mit der Mondkrone-Punze (Mondsichel + Krone) gestempelt – einem Zeichen, das seit 1888 für geprüfte Silberwaren steht und dem Käufer die staatlich kontrollierte Feingehaltsangabe garantiert. Daneben findet sich häufig die schlichte Zahl 800, manchmal ergänzt durch das Meisterzeichen des Herstellers oder die Marke einer Scheideanstalt.

Punze Bedeutung Verbreitung
Mondsichel + Krone Deutsches Prüfzeichen (ab 1888) Deutschland, Österreich
800 Direkter Feingehalt-Stempel Europa, Naher Osten
800/000 Promille-Schreibweise Gelegentlich
Halbmond + Krone Belgisches/niederländisches Importzeichen Gelegentlich in DE

Abgrenzung zu anderen Silberlegierungen

800er Silber ist bewusst von anderen gängigen Legierungen zu unterscheiden:

  • 835er Silber (835 ‰): Häufig für deutsches Besteck der Nachkriegszeit; etwas höherer Silberanteil, gleichzeitig etwas heller in der Farbe.
  • Sterling-Silber (925 ‰): Internationaler Standard für Schmuck und modernes Tafelsilber; deutlich weicher in der Tönung, höherer Feingehalt.
  • Britannia-Silber (958 ‰): Britischer Hochstandard, nahezu reines Silber, sehr weich.
  • Feinsilber (999 ‰): Anlagemetall (Münzen, Barren), kaum für Gebrauchsgegenstände geeignet.

Der niedrigere Silberanteil des 800ers macht die Legierung härter und widerstandsfähiger – ideal für täglich genutztes Besteck – führt aber auch zu einer etwas wärmeren, leicht gelblich-grauen Tönung und zu stärkerem Anlaufen als bei höherwertigen Legierungen.

Schmelzwert berechnen

Den Materialwert eines 800er-Silberstücks ermitteln Sie einfach nach folgender Formel:

Schmelzwert = Gewicht (g) × 0,800 × Silberpreis (€/g)

Beispiel: 100 g Bestecksilber 800 bei einem Silberpreis von 0,95 €/g ergeben einen Schmelzwert von 76,00 €. Praktischer geht es mit dem Schmelzwertrechner oder dem Silberrechner, die den aktuellen Tagespreis automatisch einbeziehen. Der tatsächliche Ankaufspreis eines Händlers liegt in der Regel 10–25 % darunter, da Prüf-, Schmelz- und Handlingskosten anfallen.

Steuerliche Einordnung

Für Privatpersonen gilt beim Verkauf von 800er-Altsilber die Spekulationsfrist nach § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG: Liegt zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr, bleibt der Gewinn steuerfrei – unabhängig von der Höhe. Wird innerhalb der Jahresfrist verkauft, zählt der Gewinn als sonstiges privates Veräußerungsgeschäft und ist einkommensteuerpflichtig, sofern er zusammen mit anderen Gewinnen dieser Art die Freigrenze von 1.000 € (bis 2023: 600 €) übersteigt.

Auf der Umsatzsteuerseite gilt: 800er Silber ist kein Anlagegold und daher nicht von der Umsatzsteuer befreit (anders als Feingold nach § 4 Nr. 28 UStG). Beim gewerblichen Ankauf von Altsilber aus Privathand kann ein Händler die Differenzbesteuerung nach § 25a UStG anwenden, sodass die Umsatzsteuer nur auf die Handelsmarge anfällt statt auf den vollen Verkaufspreis. Dies ist keine Steuer- oder Anlageberatung – bitte konsultieren Sie bei konkreten Fragen einen Steuerberater.

Typische Anwendungsgebiete

800er Silber findet sich vor allem in:

  1. Besteck und Tafelgerät – Löffel, Gabeln, Messer, Tabletts (Haupteinsatzgebiet in Deutschland und Österreich bis ca. 1980)
  2. Schmuck – Ringe, Ketten, Broschen; heute seltener, da Sterling (925) den Markt dominiert
  3. Silberwaren des frühen 20. Jahrhunderts – Teekannen, Zuckerdosen, Kerzenleuchter
  4. Naher Osten und Nordafrika – dort ist 800er Silber bis heute als Schmucklegierung verbreitet

Kurz gemerkt

800er Silber ist mit 80 % Silberanteil die klassische deutsche Gebrauchslegierung für Besteck und Tafelgerät – erkennbar an Mondsichel, Krone und der Stempelzahl 800. Wer Altsilber besitzt oder kauft, sollte Gewicht und aktuellen Silberpreis kennen, um den realen Materialwert zuverlässig einzuschätzen.

Zurück zum Lexikon Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026

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