Jetzt in 27 EU-Ländern verfügbar — in deiner Sprache, mit lokalen MwSt.-Sätzen & Rechnern
Sprache
Preis & Markt

Fear-and-Greed-Index

Auch: Angst-und-Gier-Index, Sentiment-Index, Marktangst-Index

Der Fear-and-Greed-Index ist ein zusammengesetzter Stimmungsindikator, der auf einer Skala von 0 (extreme Angst) bis 100 (extreme Gier) misst, wie stark Furcht oder Kaufeuphorie das aktuelle Marktverhalten antreiben.

Der Fear-and-Greed-Index wurde ursprünglich von CNN Business für den US-Aktienmarkt entwickelt und misst, ob Anleger gerade von Panik oder von Euphorie getrieben werden. Das Grundprinzip geht auf das bekannte Börsenzitat von Warren Buffett zurück: „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind – und gierig, wenn andere ängstlich sind." Für Edelmetallinvestoren ist der Index besonders aufschlussreich, weil Gold und Silber traditionell als Safe-Haven-Anlagen fungieren und in Phasen extremer Marktangst gefragt sind. Den aktuellen Stand sehen Sie auf unserer Fear-&-Greed-Seite.

Aufbau und Berechnung

Der CNN-Index für den US-Aktienmarkt setzt sich aus sieben gleichgewichteten Teilindikatoren zusammen:

# Teilindikator Messgröße
1 Kursimpuls S&P 500 vs. gleitender Durchschnitt (125 Tage)
2 Kursbreite Verhältnis steigender zu fallenden Aktien (McClellan-Volumen-Summe)
3 Neue Hochs / Tiefs 52-Wochen-Hochs vs. 52-Wochen-Tiefs an der NYSE
4 Put/Call-Ratio Verhältnis von Put- zu Call-Optionen (CBOE)
5 Volatilität (VIX) CBOE Volatility Index vs. 50-Tage-Durchschnitt
6 Safe-Haven-Nachfrage Renditeabstand Aktien vs. Staatsanleihen
7 Junk-Bond-Nachfrage Renditespread Hochzinsanleihen vs. Investment-Grade

Jeder Teilindikator wird auf eine Skala von 0–100 normiert. Der Gesamtindex ist der einfache Durchschnitt aller sieben Werte:

Index = (I₁ + I₂ + I₃ + I₄ + I₅ + I₆ + I₇) / 7

Skala und Interpretation

Die fünf Zonen des Index gelten als Faustregel – sie ersetzen keine fundierte Analyse:

Bereich Zone Typisches Marktverhalten
0 – 24 Extreme Angst Massenverkäufe, Flucht in Sicherheit, Gold meist gefragt
25 – 44 Angst Vorsicht dominiert, defensive Titel gesucht
45 – 55 Neutral Ausgeglichenes Sentiment
56 – 74 Gier Risikobereitschaft steigt, Wachstumstitel bevorzugt
75 – 100 Extreme Gier Überhitzung, erhöhtes Rückschlagrisiko

Bedeutung für Edelmetallmärkte

Der Zusammenhang zwischen Aktienmarkt-Sentiment und Edelmetallpreisen ist komplex, aber empirisch belegt:

  • Extreme Angst (0–24): Anleger fliehen aus Aktien in als sicher geltende Werte. Goldpreis und Silberpreis steigen häufig, weil die physische Nachfrage und ETF-Zuflüsse zunehmen.
  • Extreme Gier (75–100): Kapital strömt in Risikoanlagen. Gold verliert kurzfristig oft an Attraktivität, da Opportunitätskosten steigen – Anleger bevorzugen renditestärkere Assets.
  • Übergangsphasen: Ein rascher Umschwung von Gier zu Angst – etwa in Finanzkrisen – kann Gold und Silber kurzfristig mit nach unten ziehen (Liquiditätsbedarf), bevor der Safe-Haven-Effekt greift.

Die historischen Edelmetallpreise zeigen, dass Gold in den Monaten nach extremer Angst (Index unter 20) im Durchschnitt besser abschnitt als in Phasen extremer Gier – eine Korrelation, die jedoch keine Gesetzmäßigkeit darstellt.

Crypto Fear & Greed Index

Neben dem ursprünglichen Aktienmarkt-Index existiert ein eigenständiger Crypto Fear & Greed Index (Alternative.me), der täglich für den Bitcoin- und Kryptomarkt berechnet wird. Die Eingangsgrößen unterscheiden sich deutlich:

  1. Volatilität (aktuell vs. 30- und 90-Tage-Durchschnitt) – Gewicht 25 %
  2. Marktimpuls und Handelsvolumen – Gewicht 25 %
  3. Social-Media-Sentiment (Twitter/X, Reddit) – Gewicht 15 %
  4. Dominanz von Bitcoin im Gesamtmarkt – Gewicht 10 %
  5. Google-Trends für Bitcoin-Suchbegriffe – Gewicht 10 %
  6. Umfragen (zeitweise pausiert) – Gewicht 15 %

Da Kryptowährungen deutlich volatiler sind als Aktien oder Edelmetalle, schlägt der Crypto-Index häufiger in Extrembereiche aus und ist weniger als eigenständiger Edelmetall-Indikator geeignet.

Grenzen des Indikators

Der Fear-and-Greed-Index ist ein nachlaufender bis gleichlaufender Indikator: Er beschreibt, was der Markt gerade fühlt, und ist kein zuverlässiger Frühindikator für künftige Preisentwicklungen. Weitere Einschränkungen:

  • Aktienmarktbias: Der CNN-Index misst primär US-Aktienmarkt-Sentiment; Edelmetallspezifika (Zentralbanknachfrage, Minenproduktion, physische Prämien) sind nicht enthalten.
  • Regionale Blindflecken: Asiatische Nachfragemuster (vor allem aus Indien und China) spiegeln sich kaum wider.
  • Manipulierbarkeit: Social-Media-basierte Varianten reagieren empfindlich auf koordinierte Kampagnen.
  • Keine Prognose: Extremwerte können wochenlang anhalten, bevor eine Kurskorrektur einsetzt.

Ergänzend lohnt ein Blick auf die Gold-Silber-Ratio, die ein weiteres Stimmungsbarometer für relative Nachfrageverschiebungen zwischen den beiden wichtigsten Edelmetallen darstellt.

Hinweis: Dieser Eintrag dient der sachlichen Information. Er stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie für individuelle Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.

Kurz gemerkt

Der Fear-and-Greed-Index fasst Marktsentiment in einer einzigen Zahl zusammen und liefert Edelmetallanlegern einen nützlichen Kontext: Extreme Angstwerte gehen historisch häufig mit erhöhter Goldnachfrage einher, während Extremgier kurzfristig Kapital aus sicheren Häfen abzieht – ein Zusammenhang, der beobachtungswürdig, aber kein verlässliches Handelssignal ist.

Zurück zum Lexikon Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026

Cookie-Banner? Nein!

Kein Tracking, keine Werbung. → Hand drauf ←

Fehler melden

Helfen Sie uns, die Seite zu verbessern