Raugewicht
Auch: Bruttogewicht, Gesamtgewicht, Gross Weight
Das Raugewicht ist das Gesamtgewicht eines Edelmetallgegenstands einschließlich aller Legierungsbestandteile, vor Abzug von Verunreinigungen oder Zusatzstoffen.
Das Raugewicht bezeichnet das vollständige physische Gewicht eines Edelmetallgegenstands – also das Gewicht, das eine Waage anzeigt, ohne jede Abrechnung für Legierungsbestandteile, Verunreinigungen oder Fremdmaterial. Es steht im direkten Gegensatz zum Feingewicht, das nur den tatsächlichen Edelmetallanteil beschreibt. Wer den Wert von Goldschmuck, Münzen oder Altsilber ermitteln möchte, muss diesen Unterschied zwingend kennen.
Raugewicht und Feingewicht im Verhältnis
Die Beziehung zwischen Raugewicht und Feingewicht lässt sich mit einer einfachen Formel beschreiben:
Feingewicht = Raugewicht × Feingehalt (als Dezimalzahl)
Der Feingehalt gibt an, welcher Anteil des Raugewichts aus reinem Edelmetall besteht. Bei einer Goldlegierung mit dem Stempel 585 (14 Karat) sind 58,5 % des Raugewichts reines Gold; die restlichen 41,5 % entfallen auf Legierungsmetalle wie Silber, Kupfer oder Zink.
| Legierung | Stempel | Feingehalt | Feingewicht bei 10 g Raugewicht |
|---|---|---|---|
| 8-Karat-Gold | 333 | 33,3 % | 3,33 g |
| 14-Karat-Gold | 585 | 58,5 % | 5,85 g |
| 18-Karat-Gold | 750 | 75,0 % | 7,50 g |
| 22-Karat-Gold | 916,7 | 91,67 % | 9,17 g |
| Feingold | 999 | 99,9 % | 9,99 g |
| Sterlingsilber | 925 | 92,5 % | 9,25 g |
| Bestecksilber | 800 | 80,0 % | 8,00 g |
Praktische Bedeutung beim Ankauf und Schmelzwert
Händler, Scheideanstalten und Pfandhäuser kommunizieren Preise grundsätzlich auf Basis des Feingewichts, nicht des Raugewichts. Wer Altgold oder Silberschmuck verkauft, erhält daher nur den Gegenwert des tatsächlich enthaltenen Edelmetalls. Mit dem Schmelzwertrechner lässt sich der materialwertbasierte Betrag direkt aus Raugewicht und Stempel berechnen – der Ankaufspreis des Händlers liegt in der Regel darunter, da Bearbeitungskosten und Marge abgezogen werden.
Wichtige Schritte bei der Wertermittlung:
- Raugewicht auf einer geeichten Feinwaage bestimmen (Genauigkeit ≥ 0,01 g).
- Stempel oder Punze ablesen und den Feingehalt ermitteln.
- Feingewicht berechnen: Raugewicht × Feingehalt.
- Feingewicht mit dem aktuellen Goldpreis oder Silberpreis multiplizieren.
Raugewicht bei Münzen und Barren
Bei zertifizierten Anlagemünzen und LBMA-Good-Delivery-Barren sind Raugewicht und Feingewicht exakt definiert und auf dem Produkt angegeben. Ein Krügerrand zu einer Feinunze enthält beispielsweise genau 31,1035 g Feingold (eine Feinunze), wiegt als Münze aber rund 33,93 g – das Mehrgewicht stammt aus dem Kupferanteil (Feingehalt 916,7/1000; 22 Karat). Das Raugewicht ist hier also messbar größer als das Feingewicht.
Bei Feinbarren (999,9) stimmen Raugewicht und Feingewicht hingegen nahezu überein; der minimale Unterschied liegt innerhalb der zulässigen Toleranzgrenzen der Hersteller.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
- Feingewicht: Der rechnerisch ermittelte Edelmetallanteil im Raugewicht.
- Bruttogewicht (im Handelskontext): Kann zusätzlich Verpackung oder Behälter einschließen – nicht mit Raugewicht gleichsetzen, obwohl beide Begriffe umgangssprachlich synonym verwendet werden.
- Troy-Gewicht: Das im Edelmetallhandel international verwendete Gewichtssystem; eine Feinunze entspricht 31,1035 g.
Kurz gemerkt
Das Raugewicht ist der Ausgangswert jeder Edelmetallbewertung – erst durch Multiplikation mit dem Feingehalt ergibt sich das wertrelevante Feingewicht. Wer Schmuck, Münzen oder Barren kauft oder verkauft, sollte beide Größen stets klar voneinander trennen und den aktuellen Metallpreis stets auf das Feingewicht beziehen.