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Sekundärgewinnung aus Elektroschrott

Auch: Urban Mining, E-Schrott-Recycling, Sekundärmetallgewinnung

Urban Mining bezeichnet die gezielte Rückgewinnung von Edelmetallen und anderen Wertstoffen aus Elektroschrott, Altgeräten und industriellen Abfallströmen als Ergänzung zur primären Bergbauförderung.

Moderne Elektronikgeräte stecken voller Edelmetalle: Ein Smartphone enthält Gold, Silber, Palladium und Kupfer in winzigen, aber messbaren Mengen. Urban Mining – wörtlich „städtischer Bergbau" – nutzt genau diesen „oberirdischen Erzstock" aus ausgedienten Geräten, Industrieabfällen und Altfahrzeugen. Im Vergleich zur Primärförderung ist der Edelmetallgehalt von Elektroschrott teilweise zehn- bis hundertfach höher als der eines typischen Golderzgangs.

Warum Elektroschrott so wertvoll ist

Die Konzentration kritischer Metalle in E-Schrott übersteigt primäre Lagerstätten deutlich:

Quelle Gold (g/t) Silber (g/t) Palladium (g/t)
Golderzlagerstätte (Bergbau) 1–5
Leiterplatten (Mobiltelefone) 300–400 1 000–3 000 30–100
Autokatalysatoren bis 7 000
CPU-Prozessoren (alt) 500–3 000 diverse diverse

Diese Konzentrationswerte machen Urban Mining ökonomisch attraktiv – besonders bei hohen Palladiumpreisen und Goldpreisen.

Der Recyclingprozess Schritt für Schritt

  1. Sammlung und Sortierung – Altgeräte werden nach Gerätekategorie getrennt (Smartphones, Leiterplatten, Katalysatoren, Kabel).
  2. Mechanische Aufbereitung – Shreddern, Sieben und Windsichtung trennen Kunststoffe, Eisenmetalle und Nichteisenmetalle.
  3. Pyrometallurgie – Erschmelzen im Hochofen oder Konverter; Edelmetalle sammeln sich in der Kupfer-Blei-Legierung (sogenannter Schwarzkupferweg).
  4. Hydrometallurgie – Nasschemische Laugung mit Säuren oder Königswasser, selektive Fällung der einzelnen Metalle.
  5. Affinage / Raffination – Spezialisierte Scheideanstalten (z. B. Umicore, Heraeus) scheiden die Metalle auf Anlagefeinheit auf und produzieren zertifizierte Barren oder Granulat.
Edelmetallausbeute ≈ Eingangsmenge × Feingehalt × Extraktionsrate
Beispiel: 1 kg Leiterplatten × 0,035 % Au × 95 % = ca. 0,33 g Feingold

Den resultierenden Schmelzwert können Sie für Altgold oder Industriematerial direkt online ermitteln.

Bedeutung für den globalen Edelmetallmarkt

Sekundärmetalle aus Urban Mining decken inzwischen einen erheblichen Anteil der weltweiten Nachfrage:

  • Gold: Recycling (Schmuck + Industrie) stellt laut World Gold Council rund 25–28 % des jährlichen Gesamtangebots.
  • Silber: Industrierecycling trägt ca. 15–20 % zum Gesamtangebot bei.
  • Palladium: Autokatrecycling liefert einen stetig wachsenden Anteil – bedeutsam, da Palladium kaum als eigenständiges Primärmetall, sondern meist als Beiprodukt der Platin- oder Nickelförderung gewonnen wird.

Die zunehmende Elektrifizierung (E-Mobilität, Solaranlagen, Rechenzentren) erhöht sowohl den Verbrauch als auch das künftige Recyclingstrom-Potenzial.

Rechtlicher Rahmen in Deutschland und der EU

Das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) verpflichtet Hersteller zur Rücknahme und vorschriftsmäßigen Entsorgung. Die EU-Batterieverordnung (2023) verschärft Recyclinganforderungen für Lithium-Batterien. Für Verbraucher ist die Rückgabe bei Händlern und kommunalen Sammelstellen kostenlos.

Hinweis: Steuerliche Behandlung von Erlösen aus dem Verkauf von Recyclingstoffen hängt vom Einzelfall ab – keine Steuer- oder Anlageberatung.

Kurz gemerkt

Urban Mining schließt den Metallkreislauf: Elektroschrott enthält Edelmetalle in Konzentrationen, die viele Primärlagerstätten übertreffen. Wer den aktuellen Ankaufspreis für zurückgewonnenes Material prüfen möchte, findet dafür passende Rechner auf dieser Seite.

Zurück zum Lexikon Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026

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