Affinage / Raffination
Auch: Raffination, Edelmetallraffination, Scheidung
Affinage bezeichnet die industrielle Reinigung und Aufbereitung von Rohedelmetallen auf handels- oder anlagefähige Feingehalte.
Die Affinage (vom französischen affiner – verfeinern) ist das technische Herzstück der Edelmetallverarbeitung: Sie wandelt unreines Rohmetall – etwa Doré-Barren direkt aus der Mine oder eingeschmolzenes Altgold – in handelsreines Metall mit definiertem Feingehalt um. Erst durch die Raffination werden Edelmetalle börsenhandelsfähig und erfüllen internationale Normen wie die LBMA Good-Delivery-Regeln.
Woher stammt das Rohmetall?
Affinagewerke verarbeiten zwei grundlegend verschiedene Materialströme:
- Primäres Rohmetall – Doré-Barren aus Goldminen (typisch 70–95 % Au/Ag-Gehalt), Platinerzkonzentrate oder Nickelschlämme, aus denen Platingruppenmetalle gewonnen werden.
- Sekundäres Rohmetall – Altgold, Altsilber, Zahngoldlegierungen, Elektronikschrott (Urban Mining) sowie industrielle Rückläufer aus der Katalysatorenaufbereitung.
Gängige Verfahren im Überblick
| Verfahren | Metall | Prinzip | Erreichter Feingehalt |
|---|---|---|---|
| Chlorierungsverfahren (Miller) | Gold | Cl₂-Gas verdrängt Verunreinigungen | ~995 ‰ |
| Elektrolyse (Wohlwill) | Gold | Anodisches Auflösen, kathodische Abscheidung | 999,9 ‰ |
| Elektrolytische Silberraffination | Silber | Silbernitrat-Bad, Kathode 999+ ‰ | 999 ‰ |
| Solventextraktion / Ionenaustausch | Platingruppenmetalle | Selektive Fällung aus Salzsäurelösung | 999,5 ‰ |
| Feuerraffination | Gold/Silber | Oxidierendes Schmelzen, Schlackenabzug | 980–990 ‰ (Vorstufe) |
Das Wohlwill-Verfahren (Gold, vereinfacht)
Anode (Rohgold, ~995 ‰)
→ Auflösung in HCl/HAuCl₄-Elektrolyt
→ Kathodische Abscheidung als Feingold 999,9 ‰
Das Verfahren ist energieintensiv, liefert aber das reinste kommerziell hergestellte Gold und bildet die Grundlage für Feingold-Barren und Anlagemünzen.
Von der Scheideanstalt zum handelbaren Barren
Eine zugelassene Scheideanstalt – etwa Heraeus, Umicore, PAMP Suisse oder Argor-Heraeus – durchläuft nach der Raffination mehrere Qualitätssicherungsschritte:
- Probenahme und Assay: Exakte Bestimmung des Feingehalts vor und nach der Raffination.
- Guss oder Prägung: Veredeltes Metall wird zu gegossenen oder geprägten Barren verarbeitet.
- Stempelung: Hersteller, Gewicht, Feingehalt und Seriennummer werden aufgebracht (Punze).
- Zertifizierung: LBMA-gelistete Scheideanstalten unterliegen regelmäßigen Audits; ihr Good-Delivery-Stempel ist das globale Qualitätsmerkmal.
Mit dem Schmelzwertrechner lässt sich schnell ermitteln, welchen Metallwert ein Gegenstand vor der Einlieferung bei einer Scheideanstalt hat – eine sinnvolle Orientierung beim Vergleich von Ankaufsangeboten.
Wirtschaftliche Bedeutung
Die Affinagekapazität einer Region ist ein Indikator für ihre Stellung im globalen Edelmetallmarkt. Die Schweiz (Valcambi, Argor-Heraeus, PAMP Suisse) verarbeitet schätzungsweise 70 % des weltweiten Gold-Sekundärstroms. Deutschland ist mit Heraeus (Hanau) und C. Hafner (Pforzheim) ebenfalls ein bedeutender Standort.
Für Privatanleger ist die Affinage vor allem bei der Altgold-Verwertung relevant: Der Ankaufspreis hängt vom Feingehalt ab – wer ihn kennt, verhandelt besser. Den aktuellen Goldpreis als Referenz immer im Blick zu behalten, hilft dabei, Angebote realistisch einzuschätzen. Entsprechendes gilt für Silber.
Kurz gemerkt
Affinage ist der Prozess, der rohes oder vermischtes Edelmetall in das börsenhandelsfähige, normkonforme Metall verwandelt, das in Barren und Münzen landet. Ohne funktionierende Raffinationsinfrastruktur wären weder standardisierte Anlageprodukte noch ein liquider Weltmarkt möglich.