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Herkunft & Zertifizierung

LBMA Good Delivery

Auch: Good Delivery, GD-Barren, LBMA-Standard

Der LBMA-Good-Delivery-Standard ist die weltweit anerkannte Qualitätsnorm für handelbare Gold- und Silberbarren im institutionellen Großhandel, die Mindestanforderungen an Feingehalt, Gewicht, Form und Herkunft der Scheideanstalt festlegt.

Der LBMA Good Delivery Standard ist das wichtigste Qualitätsgütesiegel im professionellen Edelmetallhandel. Barren, die diesen Standard erfüllen, werden am Londoner Goldmarkt und an allen großen internationalen Handelsplätzen ohne weitere Prüfung akzeptiert – sie sind gewissermaßen die „Handelswährung" unter institutionellen Investoren, Zentralbanken und Großhändlern.

Was bedeutet Good Delivery?

„Good Delivery" bedeutet wörtlich „gute Lieferbarkeit" – ein Barren, der diesen Status trägt, ist ohne zusätzliche Prüfung oder Neuschmelzung sofort handelbar. Die London Bullion Market Association (LBMA), gegründet 1987 als selbstregulierendes Gremium der wichtigsten Londoner Edelmetallhändler, verwaltet die – in ihren Grundzügen weit ältere – Good Delivery List und hält die Regeln in den Good Delivery Rules for Gold and Silver Bars fest, die regelmäßig aktualisiert werden.

Der Standard definiert präzise Anforderungen in vier Bereichen:

  1. Feingehalt – der Mindest-Reinheitsgrad des Metalls
  2. Gewicht und Abmessungen – enge Toleranzen für Masse und Form
  3. Kennzeichnung – Pflichtangaben, die jeder Barren tragen muss
  4. Herkunft – nur zugelassene Scheideanstalten dürfen Good-Delivery-Barren ausgeben

Technische Spezifikationen im Überblick

Merkmal Gold Silber
Mindestfeingehalt 995,0 ‰ (99,5 %) 999 ‰ (99,9 %)
Sollgewicht 400 Feinunzen (ca. 12,4 kg) 1.000 Feinunzen (ca. 31,1 kg)
Gewichtstoleranz 350–430 Feinunzen 750–1.100 Feinunzen
Gewichtsangabe auf 0,025 Feinunzen genau auf 0,1 Feinunzen genau
Oberflächenqualität keine Hohlräume, glatt keine Hohlräume, glatt
Form Trapezquerschnitt (gegossen) Trapezquerschnitt (gegossen)

Das Sollgewicht von 400 Feinunzen beim Goldbarren entspricht dem klassischen „London Good Delivery Bar", wie er in Tresoren von Zentralbanken und bei Clearing-Transaktionen über das LBMA-System eingesetzt wird. Die scheinbar weiten Toleranzen beim Gewicht ergeben sich aus dem Gießprozess: Good-Delivery-Barren werden gegossen, nicht geprägt (vgl. Schmelzwertrechner).

Pflichtangaben auf jedem Barren

Jeder Good-Delivery-Barren muss folgende Informationen tragen, die direkt in die Barrenfläche eingeschlagen oder eingegossen werden:

  • Marke der Scheideanstalt (eingetragenes Logo/Name)
  • Seriennummer (eindeutige Chargennummer)
  • Feingehalt (als Promille-Zahl, z. B. 9950 bis 9999 bei Gold)
  • Bruttogewicht in Feinunzen
  • Jahreszahl der Herstellung

Die Kombination aus Seriennummer und Scheideanstalts-Marke ermöglicht eine lückenlose Rückverfolgung jedes Barrens – ein wesentliches Merkmal für die Echtheitsprüfung und für Anti-Geldwäsche-Compliance.

Die LBMA Good Delivery List

Das Herzstück des Systems ist die Good Delivery List – eine öffentlich zugängliche Referenzliste aller weltweit zugelassenen Scheideanstalten. Die Aufnahme in diese Liste ist ein aufwändiger, mehrstufiger Prozess:

  1. Die Scheideanstalt reicht Probebarren ein.
  2. Unabhängige, von der LBMA akkreditierte Prüfer (sogenannte Referees) analysieren Feingehalt, Gewicht, Maße und Oberfläche.
  3. Bei Bestehen folgt eine Probezeit unter Beobachtung.
  4. Alle fünf Jahre ist eine erneute Überprüfung (Proactive Monitoring) erforderlich.

Renommierte Scheideanstalten wie Heraeus, Umicore, PAMP Suisse, Valcambi oder die Perth Mint sind auf dieser Liste vertreten. Die Aufnahme gilt in der Branche als Qualitätssiegel ersten Ranges.

Bedeutung für den Spotpreis und das LBMA-Fixing

Der LBMA-Fixing – der täglich zweimal ermittelte Referenzpreis für Gold und einmal für Silber – basiert ausschließlich auf Transaktionen in Good-Delivery-Barren. Damit ist der Good-Delivery-Standard unmittelbar mit dem Spotpreis verknüpft: Wenn Medien den „Goldpreis" nennen, meinen sie stets den Preis für einen LBMA-konformen Good-Delivery-Barren, ausgedrückt in US-Dollar je Feinunze.

Schmelzwert eines Good-Delivery-Goldbarrens (Beispiel):
  Gewicht:     400 Feinunzen × 31,1035 g = 12.441,4 g Brutto
  Feingehalt:  995,0 ‰ (Minimum) → Feingewicht ≈ 12.379,2 g
  Wert:        Feingewicht × Spotpreis ($/g) × EUR/USD-Kurs

Abgrenzung zu Privatanlegerprodukten

Good-Delivery-Barren sind nicht für den typischen Privatanleger konzipiert. Ein 400-Unzen-Goldbarren repräsentiert bei einem Goldpreis von rund 90.000 EUR pro Kilogramm einen Wert von etwa 1,1 Millionen Euro – weit jenseits üblicher Retail-Investments. Privatanleger kaufen stattdessen zertifizierte Kleinbarren (1 g bis 1 kg) oder Anlagegold in Münzform wie den Krügerrand.

Dennoch sind Good-Delivery-Barren mittelbar für jeden Privatanleger relevant: Exchange Traded Commodities (ETCs) wie Xetra-Gold und Fonds, die physisch hinterlegtes Gold halten, verwahren ausnahmslos Good-Delivery-Barren in akkreditierten Tresoren.

Responsible Sourcing – die ethische Dimension

Seit 2012 verlangt die LBMA von ihren Mitgliedern und Lieferanten die Einhaltung der Responsible Gold Guidance; die entsprechende Responsible Silver Guidance kam 2018 hinzu. Scheideanstalten müssen jährlich nachweisen, dass ihr Rohmetall nicht aus Konfliktgebieten stammt und keine Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette vorliegen. Dieses Regelwerk orientiert sich an den OECD-Leitlinien für die Sorgfaltspflicht bei mineralischen Rohstoffen.

Ein Good-Delivery-Barren trägt damit nicht nur eine Aussage über chemische Reinheit, sondern auch über die Lieferketten-Integrität – ein Aspekt, der für institutionelle Investoren mit ESG-Anforderungen zunehmend entscheidend ist.

Kurz gemerkt

Der LBMA-Good-Delivery-Standard ist das globale Rückgrat des physischen Edelmetallhandels: Er definiert, welche Barren ohne weitere Prüfung handelbar sind, welche Scheideanstalten als vertrauenswürdig gelten und auf welcher Grundlage der tägliche Goldpreis ermittelt wird. Wer Silberpreis oder Goldpreis verfolgt, bewegt sich stets in einem Markt, dessen Fundament dieser Standard ist.

Zurück zum Lexikon Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026

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