LBMA-Fixing
Auch: London Fix, Londoner Fixingpreis, LBMA Gold Price, LBMA Silver Price
Der LBMA-Fixing ist ein zweimal täglich in London ermittelter Referenzpreis für Gold und Silber, der weltweit als verbindlicher Benchmark für Handelsgeschäfte, Minenverträge und Finanzprodukte genutzt wird.
Der LBMA-Fixing – offiziell heute als LBMA Gold Price bzw. LBMA Silver Price bezeichnet – ist der weltweit wichtigste Referenzpreis für physisches Gold und Silber. Er wird täglich in London im Rahmen eines regulierten elektronischen Auktionsverfahrens ermittelt und dient Bergbaukonzernen, Zentralbanken, Schmuckherstellern, Raffinerien und Finanzinstituten als verbindliche Preisgrundlage für Millionen von Verträgen. Den aktuellen Goldpreis und den Silberpreis können Sie jederzeit auf dieser Website verfolgen.
Historische Entwicklung
Das Londoner Gold-Fixing hat eine fast hundertjährige Geschichte:
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1919 | Erstes tägliches Gold-Fixing in London (N M Rothschild & Sons, 4 weitere Banken) |
| 1968 | Zweites tägliches Fixing eingeführt (PM-Fix); Zwei-Tier-Markt nach Goldpool-Kollaps |
| 1987 | Gründung der London Bullion Market Association (LBMA) |
| 2004 | Rothschild zieht sich zurück; Barclays Capital übernimmt den Sitz, physische Zusammenkünfte enden – Fixing läuft fortan als Telefonkonferenz, Vorsitz rotiert jährlich |
| 2014 | Manipulationsvorwürfe führen zu Regulierungsreformen |
| 2015 | ICE Benchmark Administration (IBA) übernimmt Verwaltung; neues elektronisches Auktionsmodell |
Das Silber-Fixing bestand in seiner ursprünglichen Form von 1897 bis 2014 und läuft seit August 2014 als elektronischer LBMA Silver Price. Die Administration übernahm zunächst die CME Group gemeinsam mit Thomson Reuters; seit dem 2. Oktober 2017 wird der LBMA Silver Price – wie schon der Goldpreis – von der ICE Benchmark Administration (IBA) verwaltet.
Wie funktioniert das Auktionsverfahren?
Seit der Reform 2015 läuft das Gold-Fixing als vollautomatisierte, elektronische Auktion nach einem klar definierten Algorithmus:
Startpreis = aktueller OTC-Spotpreis (Richtwert)
Runde n:
Gebote und Angebote der Teilnehmer werden aggregiert
Wenn |Nachfrage - Angebot| ≤ Toleranz → Fixing-Preis festgelegt
Sonst: Preis wird angepasst → nächste Runde
Die Auktion beginnt mit einem Startpreis nahe dem aktuellen Spotpreis und iteriert in wenigen Minuten, bis Angebot und Nachfrage innerhalb eines festgelegten Toleranzkorridors ausgeglichen sind. Teilnehmer sind ausschließlich von der LBMA akkreditierte Marktteilnehmer (Direct Participants), die im eigenen Namen oder für Kunden bieten.
Fixingtermine täglich (Londoner Ortszeit):
- Gold AM Fix: 10:30 Uhr
- Gold PM Fix: 15:00 Uhr
- Silber Fix: 12:00 Uhr
Abgrenzung: Fixing-Preis vs. Spot-Preis
Ein häufiges Missverständnis: Der Fixing-Preis ist nicht identisch mit dem aktuellen Spotpreis, auch wenn beide eng zusammenhängen.
| Merkmal | Spot-Preis | LBMA-Fixing |
|---|---|---|
| Ermittlung | Kontinuierlich, OTC-Interbankenhandel | 2× täglich per Auktion |
| Zweck | Kurzfristiger Handel, Hedging | Vertragsreferenz, Abrechnungen |
| Verbindlichkeit | Indikativ | Offizieller Benchmark |
| Transparenz | Variiert je Anbieter | Vollständig publiziert |
| Regulierung | Gering | FCA-reguliert (UK) |
Für kurzfristige Kaufentscheidungen ist der aktuelle Spotpreis relevanter; für langfristige Lieferverträge oder Minenabnahmen wird typischerweise auf den Fixing-Preis Bezug genommen.
Bedeutung und Verwendung
Der LBMA-Fixing-Preis findet in einer Vielzahl von Kontexten Anwendung:
- Minenverträge: Goldproduzenten verkaufen ihre Förderung oft zu „PM-Fix minus X USD/oz".
- Schmuck- und Industrieabnahmen: Raffinerien und Schmuckhersteller rechnen auf Fixing-Basis ab.
- Zentralbanken: Bewertung von Goldreserven und Transaktionen zwischen Notenbanken.
- ETFs und ETCs: Viele Goldfonds (z. B. physisch hinterlegte Gold-ETFs) bewerten ihre Anteile täglich zum LBMA PM Fix.
- Derivate und Strukturierte Produkte: Options- und Futureskontrakte auf dem OTC-Markt referenzieren den Fixing-Preis als Settlement-Kurs.
- Steuerliche Bewertung: In manchen Jurisdiktionen wird der Fixing-Preis als Bewertungsgrundlage für Erbschaft- oder Schenkungsteuer herangezogen (kein Steuer- oder Anlageberatungshinweis; bitte konsultieren Sie einen Steuerberater).
Die historischen Fixing-Preise sind öffentlich zugänglich und bilden eine der umfangreichsten Preis-Zeitreihen im Rohstoffmarkt – Gold reicht bis ins Jahr 1968 zurück.
Regulierung und Integrität
Nach dem Libor-Skandal und Verdachtsmomenten auf Marktmanipulation im Goldmarkt (2014) wurde das Fixing-Verfahren grundlegend reformiert:
- FCA-Aufsicht: IBA unterliegt als Benchmark-Administrator der britischen Financial Conduct Authority.
- Vollständige Nachvollziehbarkeit: Alle Auktionsrunden werden protokolliert.
- Erweiterter Teilnehmerkreis: Mehr akkreditierte Banken und Handelsunternehmen können teilnehmen.
- BMR-Konformität: Das Verfahren erfüllt die Anforderungen der EU-Benchmark-Verordnung (BMR).
Platinmetalle: Kein LBMA-Fixing
Wichtig zu wissen: Für Platin und Palladium existiert kein klassisches Gold- oder Silber-Fixing der IBA. Für diese Metalle werden die LBMA Platinum and Palladium Prices ermittelt – zweimal täglich per elektronischer Auktion, administriert von der London Metal Exchange (LME), die dieses Verfahren Ende 2014 vom ehemaligen London Platinum and Palladium Fixing übernommen hat.
Kurz gemerkt
Der LBMA-Fixing ist das Herzstück des Londoner Goldmarkts: ein reguliertes, elektronisches Auktionsverfahren, das täglich zwei verbindliche Referenzpreise für Gold und einen für Silber liefert – genutzt von Zentralbanken, Minen, Raffinerien und Finanzprodukten rund um den Globus. Wer physisches Edelmetall kauft oder verkauft, handelt de facto immer im Schatten dieses Benchmarks. Den aktuellen Preis und die historische Preisentwicklung können Sie auf dieser Seite jederzeit einsehen und mit unserem Goldrechner weiterrechnen.