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Physik & Chemie

Elektrische Leitfähigkeit

Auch: Konduktivität, spezifische Leitfähigkeit, elektrische Konduktivität

Die elektrische Leitfähigkeit beschreibt, wie gut ein Material den elektrischen Strom leitet, und ist bei Edelmetallen ein wichtiges Qualitätsmerkmal für industrielle Anwendungen.

Die elektrische Leitfähigkeit (Formelzeichen: σ, Einheit: Siemens pro Meter, S/m) gibt an, wie leicht elektrische Ladungsträger – in Metallen sind das frei bewegliche Elektronen – durch ein Material fließen können. Je höher der Wert, desto geringer ist der Widerstand, den das Material dem Stromfluss entgegensetzt. Für Silber und Kupfer ist diese Eigenschaft industriell von herausragender Bedeutung.

Physikalischer Hintergrund

Der Kehrwert der Leitfähigkeit ist der spezifische elektrische Widerstand ρ (Einheit: Ohm·Meter, Ω·m). Beide Größen sind über folgende Beziehung verknüpft:

σ = 1 / ρ

In Metallen werden die Leitungselektronen durch das Kristallgitter gestreut. Erhöhte Temperatur, Gitterfehler und Fremdatome (Legierungsbestandteile) verstärken diese Streuung und senken die Leitfähigkeit. Reines, einkristallines Metall besitzt deshalb immer eine höhere Leitfähigkeit als eine Legierung desselben Grundmetalls.

Leitfähigkeit der wichtigsten Edelmetalle im Vergleich

Metall σ (× 10⁶ S/m) Rang Typische Anwendung
Silber (Ag) 63,0 1 (alle Metalle) Leiterbahnen, Kontakte, Solarzellen
Kupfer (Cu) 59,6 2 Kabel, Schaltkreise, Transformatoren
Gold (Au) 45,2 3 Steckverbinder, Bonddrähte, Mikroprozessoren
Aluminium (Al) 37,7 Hochspannungsleitungen
Palladium (Pd) 9,5 Steckerkontakte, Katalysatoren
Platin (Pt) 9,4 Temperatursensoren (PT100/PT1000)

Silber führt die Rangliste aller Metalle an – ein Umstand, der den Silberpreis in Teilen durch industrielle Nachfrage stützt. Kupfer ist trotz leicht niedrigerer Leitfähigkeit das meistverwendete Leitermaterial, weil es deutlich günstiger und reichlicher verfügbar ist. Gold überzeugt in der Elektronik nicht durch Spitzenleitfähigkeit, sondern durch seine außerordentliche Korrosionsbeständigkeit – vergoldete Kontakte oxidieren nicht und bleiben dauerhaft zuverlässig.

Einfluss von Temperatur und Legierung

  • Temperaturabhängigkeit: Metalle werden mit steigender Temperatur schlechter leitend (positiver Temperaturkoeffizient). Bei 0 °C ist die Leitfähigkeit von Kupfer etwa 12 % höher als bei 25 °C.
  • Legierungseffekt: Sterlingsilber (92,5 % Ag, 7,5 % Cu) hat gegenüber Reinsilber eine um rund 55 % reduzierte Leitfähigkeit (ca. 28 statt 62 MS/m). Für Hochpräzisionsleiterbahnen wird daher Feinsilber (≥ 999/1000) bevorzugt.
  • Kryogener Bereich: Viele Metalle werden bei sehr tiefen Temperaturen supraleitend (σ → ∞); Gold und Kupfer allerdings nicht – sie bleiben normale Leiter.

Bedeutung für Industrie und Edelmetallmarkt

Rund 50 % der globalen Silbernachfrage entfallen auf industrielle Anwendungen, darunter Photovoltaik-Silberpaste, Lötmittel und elektrische Kontakte. Dieser Sockelbedarf verleiht dem Silberpreis eine stabile industrielle Nachfragekomponente, unabhängig vom Investmentinteresse. Gold findet als Dünnschicht (Bonddrähte, Steckverbinder) in der Halbleiterindustrie Verwendung, weil sein Oxidationsschutz über Jahrzehnte zuverlässig wirkt.

Den aktuellen Schmelzwert Ihrer Silber- oder Goldbestände können Sie mit unserem Schmelzwertrechner ermitteln.

Kurz gemerkt

Silber ist das elektrisch leitfähigste aller Metalle und spielt deshalb eine Schlüsselrolle in der Elektronik- und Solarindustrie. Gold überzeugt in Hochzuverlässigkeitsanwendungen durch Oxidationsfreiheit, nicht durch Spitzenleitfähigkeit. Die Leitfähigkeit sinkt mit steigender Temperatur und mit jedem Legierungszusatz – Reinheit zahlt sich elektrisch aus.

Zurück zum Lexikon Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026

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