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Physik & Chemie

Duktilität

Auch: Dehnbarkeit, Streckbarkeit, Formbarkeit

Duktilität bezeichnet die Eigenschaft eines Werkstoffs, sich unter Zugbelastung plastisch zu verformen, ohne zu brechen.

Duktilität ist eine der herausragendsten mechanischen Eigenschaften der Edelmetalle und ein entscheidender Grund für deren industrielle wie handwerkliche Bedeutung. Sie beschreibt die Fähigkeit eines Festkörpers, sich unter einwirkender Zugspannung dauerhaft plastisch zu verformen – also zu dehnen, zu strecken oder zu biegen – ohne dabei zu reißen oder zu brechen. Das Gegenstück zur Duktilität ist die Sprödigkeit: Spröde Materialien wie Glas oder Gusseisen versagen ohne nennenswerte plastische Verformung schlagartig.

Wie Duktilität entsteht

Auf atomarer Ebene beruht Duktilität auf der Fähigkeit der Kristallgitterebenen, unter Scherspannung gegeneinander zu gleiten. Dieser Vorgang heißt Versetzungsbewegung (Dislokation). Metalle mit kubisch-flächenzentrierter (kfz) Gitterstruktur – dazu zählen Gold, Silber, Platin, Palladium und Kupfer – besitzen besonders viele Gleitebenen (12 unabhängige Gleitsysteme) und sind daher ausgesprochen duktil.

Gemessen wird Duktilität in der Regel über zwei Kenngrößen aus dem genormten Zugversuch (DIN EN ISO 6892-1):

Bruchdehnung A = (Lf - L0) / L0 × 100 %
Einschnürung Z  = (S0 - Su)  / S0  × 100 %
  • L0 = Ausgangsmesslänge, Lf = Messlänge nach dem Bruch
  • S0 = Ausgangsquerschnitt, Su = Querschnitt an der Bruchstelle

Ein hoher Wert bei beiden Größen bedeutet hohe Duktilität.

Duktilität der wichtigsten Edelmetalle im Vergleich

Metall Bruchdehnung (typisch) Besonderheit
Gold > 40 % duktilstes Metall überhaupt; 1 g → ~3 km Draht
Silber ~50 % höchste Duktilität unter Münzmetallen
Platin 35–40 % duktil, aber zäher als Gold
Palladium ~30 % ähnlich Platin, kaltverformbar
Kupfer 40–50 % Basis vieler Legierungen; hohe Leitfähigkeit

Gold ist das duktilste bekannte Metall überhaupt. Aus einem einzigen Gramm Gold lässt sich ein Draht von rund 3.000 Metern Länge ziehen; zu Blattgold gehämmert, erreicht es Foliendicken von weniger als 0,1 Mikrometern – das entspricht weniger als einem Tausendstel der Dicke eines menschlichen Haares.

Praktische Bedeutung für Edelmetall-Anleger und Verarbeitung

Die hohe Duktilität von Gold und Silber macht beide Metalle seit Jahrtausenden zum bevorzugten Werkstoff für Schmuck, Münzen und Barren. Für Anleger ist sie indirekt relevant:

  1. Münzprägung: Duktile Metalle lassen sich ohne Risse prägen. Feine Reliefs auf Bullionmünzen wie dem Krügerrand entstehen nur durch plastische Verformung im Prägestempel.
  2. Legierungen: Reines Feingold (999) ist sehr weich und duktil; durch Legierungsmetalle wie Kupfer oder Silber steigt die Härte auf Kosten der Duktilität. 585er oder 750er Gold ist deshalb alltagstauglicher, aber weniger verformbar als Feingold.
  3. Fälschungserkennung: Wolfram hat nahezu dieselbe Dichte wie Gold, ist aber wesentlich spröder und härter. Mechanische Tests (Biegeprobe, Klangprobe) nutzen diesen Duktilitätsunterschied zur Echtheitsprüfung – ergänzend zur Dichtebestimmung und Röntgenfluoreszenzanalyse.
  4. Recycling: Die Verformbarkeit erleichtert das Recycling – Altgold und Altsilber lassen sich einschmelzen und neu formen, ohne Materialverlust durch Bruch.

Den aktuellen Schmelzwert Ihrer Edelmetalle können Sie bequem online ermitteln.

Einfluss von Temperatur und Kaltverformung

Duktilität ist keine unveränderliche Konstante: Bei niedrigen Temperaturen nimmt sie bei einigen Metallen ab (Kälteversprödung), bei hohen Temperaturen zu. Kaltverformung (z. B. Walzen oder Hämmern) erhöht die Versetzungsdichte im Kristallgitter und führt zu Kaltverfestigung – das Metall wird härter, aber weniger duktil. Durch anschließendes Glühen (Rekristallisationsglühen) wird die ursprüngliche Duktilität weitgehend wiederhergestellt.

Kurz gemerkt

Duktilität ist der Grund, warum sich Edelmetalle seit Jahrtausenden formen, prägen und recyceln lassen. Gold führt diese Eigenschaft unter allen bekannten Metallen an und bleibt damit sowohl für die industrielle Verarbeitung als auch für die Herstellung hochwertiger Anlagemünzen und Barren unersetzlich.

Zurück zum Lexikon Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026

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