Jetzt in 27 EU-Ländern verfügbar — in deiner Sprache, mit lokalen MwSt.-Sätzen & Rechnern
Sprache
Physik & Chemie

Korrosionsbeständigkeit

Auch: Korrosionsfestigkeit, Chemische Beständigkeit, Oxidationsbeständigkeit

Korrosionsbeständigkeit bezeichnet die Fähigkeit eines Werkstoffs, chemischen Angriffen durch Feuchtigkeit, Sauerstoff, Säuren oder andere Umgebungseinflüsse dauerhaft zu widerstehen, ohne seine Oberfläche oder Struktur wesentlich zu verändern.

Korrosionsbeständigkeit ist eine der wichtigsten physikalisch-chemischen Eigenschaften, die Edelmetalle von unedlen Metallen unterscheidet. Sie beschreibt, wie stark ein Material dem Angriff reaktiver Substanzen – Sauerstoff, Wasser, Säuren, Halogene – widersteht, ohne messbare Degradation zu zeigen. Je höher das elektrochemische Normalpotenzial eines Metalls, desto weniger bereitwillig gibt es Elektronen ab und desto beständiger ist es gegenüber oxidativem Angriff.

Elektrochemische Grundlage

Korrosion ist im Kern eine elektrochemische Reaktion: Das Metall wird oxidiert (verliert Elektronen), ein Oxidationsmittel in der Umgebung wird reduziert. Metalle mit hohem Normalpotenzial gegenüber der Normalwasserstoffelektrode (NHE) neigen kaum zur Oxidation – sie gelten als „edel".

Metall Normalpotenzial (V vs. NHE) Typischer Angreifer
Gold (Au) +1,50 Königswasser, Cyanidlösung
Platin (Pt) +1,19 Königswasser, heiße Schwefelsäure
Palladium (Pd) +0,95 Königswasser, konzentrierte Salpetersäure
Silber (Ag) +0,80 Schwefelverbindungen (H₂S), Salpetersäure
Kupfer (Cu) +0,34 Feuchte Luft (Patina), Salpetersäure
Eisen (Fe) −0,44 Sauerstoff + Wasser (Rost)

Metalle mit negativem Normalpotenzial korrodieren unter Normalbedingungen spontan; Gold und die Platingruppenmetalle sind so edel, dass sie selbst in konzentrierten Einzel-Säuren stabil bleiben.

Warum Gold praktisch unkorrodierbar ist

Gold reagiert weder mit Luftsauerstoff noch mit Wasser oder den meisten Säuren. Selbst nach Jahrtausenden behalten Goldfunde ihre metallische Oberfläche. Einzig Königswasser (ein 1:3-Gemisch aus Salpetersäure und Salzsäure) löst Gold, weil dabei Tetrachloroaurat-Anionen gebildet werden, die das Gleichgewicht verschieben:

Au + HNO₃ + 4 HCl → H[AuCl₄] + NO↑ + 2 H₂O

Cyanidlösung greift Gold ebenfalls an – dieses Prinzip wird industriell in der Cyanidlaugung zur Goldgewinnung genutzt.

Silber: edel, aber schwefelempfindlich

Silber hat zwar ein positives Normalpotenzial, zeigt aber eine Schwachstelle gegenüber Schwefelverbindungen. Schwefelwasserstoff (H₂S) und organische Schwefelverbindungen in der Luft reagieren mit der Oberfläche zu schwarzem Silbersulfid (Ag₂S) – das bekannte Anlaufen. Diese Reaktion ist kein klassischer Sauerstoff-Angriff, sondern eine Sulfidierung und kann durch Politur rückgängig gemacht werden.

Platin und Palladium

Platin ist gegen fast alle Chemikalien beständig. Es löst sich in heißem Königswasser und in flüssigem Alkalimetall, widersteht aber Einzelsäuren auch bei hoher Temperatur. Palladium ist etwas weniger beständig: Konzentrierte Salpetersäure greift es an. Beide Metalle bilden keine stabilen Oxide unter Normalbedingungen.

Praktische Bedeutung für Anleger und Industrie

Für Anleger hat die Korrosionsbeständigkeit direkte Konsequenzen:

  • Werterhalt: Münzen und Barren aus Gold und Platin können ohne Qualitätsverlust über Generationen gelagert werden. Die Nutzung eines Schmelzwertrechners setzt voraus, dass der Feingehalt physisch erhalten bleibt – was bei Edelmetallen garantiert ist.
  • Echtheitsprüfung: Korrosionsmuster helfen bei der Säureprüfung: Unechte Stücke (z. B. vergoldetes Wolfram) reagieren mit Salpetersäure, Gold nicht.
  • Industrie: Die Korrosionsbeständigkeit macht Edelmetalle unverzichtbar in Elektronikkontakten, Katalysatoren, Medizinprodukten und Zahnersatz.

Kurz gemerkt

Korrosionsbeständigkeit ist die physikalisch-chemische Grundlage dafür, dass Edelmetalle ihren Materialwert dauerhaft halten – sie sind nicht wegen ihres Glanzes, sondern wegen ihrer elektrochemischen Trägheit seit Jahrtausenden als Wertaufbewahrungsmittel im Einsatz. Wer den aktuellen Goldpreis oder Platinpreis verfolgt, handelt mit Stoffen, deren physikalische Stabilität keine Chemikalie der Welt in Frage stellt – bis auf Königswasser.

Zurück zum Lexikon Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026

Cookie-Banner? Nein!

Kein Tracking, keine Werbung. → Hand drauf ←

Fehler melden

Helfen Sie uns, die Seite zu verbessern