Magnetwaage / Schwenktest
Auch: Schwenktest, Lenz-Test, Diamagnetismus-Test
Die Magnetwaage nutzt den Lenz-Effekt edelmetallspezifischer Diamagnetismus-Werte, um echte Gold- und Silberbarren oder -münzen von magnetischen Fälschungen zu unterscheiden.
Die Magnetwaage – auch Schwenktest oder Lenz-Test genannt – ist eine zerstörungsfreie Methode zur Echtheitsprüfung von Edelmetallen, die auf dem physikalischen Prinzip des Lenz'schen Gesetzes beruht. Wird ein starker Neodym-Dauermagnet schräg über eine echte Goldmünze oder einen Goldbarren geführt (oder umgekehrt das Metall an einem Magneten vorbeibewegt), induziert das diamagnetische Metall eine entgegengesetzte Wirbelstrombremse – das Stück kippt spürbar langsamer als erwartet oder ein hängender Magnet weicht aus.
Physikalisches Prinzip
Edle Metalle wie Gold und Silber sind diamagnetisch: Sie werden von Magneten minimal abgestoßen und erzeugen beim Durchtritt eines Magnetfeldes messbare Wirbelströme (Lenz-Effekt). Ferromagnetische oder paramagnetische Werkstoffe, die für Fälschungen eingesetzt werden (z. B. Wolfram, Blei, Kupfer-Zink-Legierungen), verhalten sich grundlegend anders – entweder werden sie angezogen oder die Wirbelstrombremse fällt deutlich schwächer aus.
Wirbelstrom-Bremskraft ∝ σ · B² · v · V
σ = elektrische Leitfähigkeit (S/m)
B = Flussdichte des Magneten (T)
v = Relativgeschwindigkeit (m/s)
V = Probenvolumen (m³)
Die Bremskraft hängt also von Leitfähigkeit, Magnetfeldstärke und Probenvolumen ab – alles materialspezifische Größen, die Fälscher kaum simultan fälschen können.
Ablauf des Schwenktests
- Aufbau: Schräge Rampe (ca. 45°) aus nichtmagnetischem Material (Holz, Acryl) und ein starker Neodymmagnet (mind. N42) werden benötigt.
- Referenz herstellen: Eine geprüfte Originalmünze (z. B. Krügerrand oder Wiener Philharmoniker) die Rampe hinabgleiten lassen und Zeit messen.
- Prüfling anlegen: Verdächtige Münze oder Barren unter gleichen Bedingungen testen.
- Bewertung: Signifikant schnelleres Gleiten oder Anziehung am Magneten deutet auf Fälschung hin; gleichmäßige Verzögerung spricht für echtes Edelmetall.
Grenzen der Methode
Die Magnetwaage ist kein Allheilmittel. Wolfram-Fälschungen mit Goldplattierung besitzen eine nahezu identische Dichte wie echtes Gold (19,25 vs. 19,32 g/cm³) – und da Wolfram schwach paramagnetisch ist, fällt die Wirbelstrombremse im Schwenktest ähnlich gering aus wie bei echtem Gold. Hier kann ein Schwenktest allein nicht zuverlässig unterscheiden. Für belastbare Ergebnisse sollte er daher immer mit der Dichtebestimmung nach Archimedes und der Röntgenfluoreszenzanalyse kombiniert werden. Ebenso ist eine Gewichts- und Maßkontrolle über den Münzgewicht-Prüfer sinnvoll.
Kurz gemerkt
Der Schwenktest ist ein schneller, kostengünstiger Ersteinstieg in die Echtheitsprüfung von Edelmetallen, der ferromagnetische Fälschungen zuverlässig entlarvt – für hochwertige Wolfram-Imitationen braucht es jedoch ergänzende Methoden wie Dichtemessung oder Ultraschall.