Wolfram-Fälschung
Auch: Tungsten-Fälschung, Wolfram-Barren-Betrug, Tungsten-Core Fake
Eine Wolfram-Fälschung ist ein gefälschter Gold- oder Platinbarren bzw. eine Münze, bei der ein Wolframkern mit einer dünnen Edelmetallschicht überzogen wird, um die nahezu identische Dichte von Wolfram (19,25 g/cm³) und Gold (19,32 g/cm³) auszunutzen.
Die Wolfram-Fälschung gilt als gefährlichste bekannte Methode zur Nachahmung von Goldbarren und Goldmünzen. Das Prinzip nutzt einen physikalischen Zufall: Wolfram (chemisches Symbol W, lateinisch Wolframium) besitzt mit 19,25 g/cm³ nahezu dieselbe Dichte wie Gold (19,32 g/cm³). Die Abweichung beträgt weniger als 0,4 % – weit unterhalb dessen, was eine einfache Waage zuverlässig aufdecken kann.
Gefälschte Barren bestehen typischerweise aus einem Wolframkern, der mit einer wenige Zehntelmillimeter bis maximal ein Millimeter dünnen Goldschicht plattiert oder galvanisch beschichtet wird. Gewicht, Maße und äußere Optik können dabei so exakt nachgebildet sein, dass selbst erfahrene Händler ohne Messgeräte getäuscht werden.
Warum Wolfram?
Wolfram ist das einzige preisgünstige Industriemetall, das Gold in der Dichte so eng imitiert. Zum Vergleich:
| Metall | Dichte (g/cm³) | Schmelzpunkt (°C) | Preis (relativ) |
|---|---|---|---|
| Gold | 19,32 | 1.064 | sehr hoch |
| Wolfram | 19,25 | 3.422 | niedrig |
| Blei | 11,34 | 327 | sehr niedrig |
| Kupfer | 8,96 | 1.085 | niedrig |
| Platin | 21,45 | 1.768 | sehr hoch |
Blei oder Kupfer scheiden als Kernmaterial aus, weil ihre Dichte deutlich zu gering ist – selbst geringe Gewichtsabweichungen fallen sofort auf. Wolfram hingegen erfordert aufwendige Messtechnik zur Entlarvung.
Wie werden Wolfram-Fälschungen hergestellt?
Technisch werden zwei Hauptmethoden beschrieben:
- Bohren und Befüllen: Ein echtes Goldstück wird von innen ausgehöhlt, mit Wolfram gefüllt und die Öffnung wieder verschlossen und poliert.
- Wolframkern mit Goldauflage: Ein präzise gefrästes Wolframstück erhält durch Galvanik oder Walzplattierung eine Goldauflage, die anschließend geprägt oder gegossen wird.
Besonders tückisch: Eine Säureprobe oder Strichprobe an der Oberfläche prüft nur die Goldschicht selbst – der Wolframkern darunter bleibt vollständig verborgen. Weil Wolframs Schmelzpunkt mit 3.422 °C weit über dem von Gold (1.064 °C) liegt, scheidet auch ein einfacher Schmelztest zur Identifikation aus.
Zuverlässige Prüfmethoden
Die Münzen-Echtheitsprüfung und der Münzgewicht-Prüfer sind gute erste Schritte, reichen bei Barren aber nicht aus. Folgende Methoden entlarven Wolfram-Fälschungen sicher:
- Ultraschallprüfung (Ultraschallreflektometrie): Schallwellen werden an der Grenzschicht zwischen Goldauflage und Wolframkern reflektiert – die präziseste zerstörungsfreie Methode für Barren.
- Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA): Misst die Elementzusammensetzung in mehreren Tiefenschichten; deckt Wolfram-Kerne unter dünnen Goldschichten auf.
- Dichtebestimmung nach Archimedes: Wiegen im Wasser ermittelt das genaue Volumen; bei Wolfram-Barren weicht die gemessene Dichte leicht von 19,32 ab – erfordert jedoch eine sehr präzise Laborwaage.
Dichte = Gewicht in Luft / (Gewicht in Luft − Gewicht in Wasser) × Dichte Wasser
- Magnettest: Wolfram ist schwach paramagnetisch, Gold diamagnetisch – ein Neodymmagnet zeigt bei reinem Gold keine messbare Anziehung.
- Klangprobe (Ping-Test): Goldmünzen erzeugen einen charakteristischen langen Ton; Wolfram dämpft den Klang deutlich.
- Sigma Metalytics / Multispektrum-Wirbelstrom: Professionelle Geräte messen die elektrische Leitfähigkeit durch die Goldschicht hindurch – Wolfram hat eine deutlich niedrigere Leitfähigkeit als Gold.
Welche Produkte sind besonders gefährdet?
Wolfram-Fälschungen wurden bislang vor allem bei 1-kg-Goldbarren und großen Barrenstückelungen dokumentiert. Kleinere Einheiten wie 1-Unzen-Goldbarren oder Bullionmünzen sind aufwändiger zu fälschen, kommen aber ebenfalls vor. Münzen mit fein ausgeprägten Sicherheitsmerkmalen (Mikropunktierung, Randschrift, holografische Zertifikate) bieten erhöhten Schutz.
Beim Kauf sollte man ausschließlich bei Händlern mit LBMA Good Delivery-Zertifizierung kaufen und auf eine lückenlose Dokumentation (Seriennummer, Assay-Zertifikat) bestehen.
Kurz gemerkt
Wolfram-Fälschungen sind die technisch anspruchsvollsten Goldfälschungen überhaupt und mit bloßem Auge oder einfacher Waage kaum erkennbar. Wer größere Barren kauft oder annimmt, sollte auf Ultraschall- oder RFA-Prüfung bestehen – oder ausschließlich bei zertifizierten Händlern mit Echtheitszertifikat kaufen.