Royalty- und Streaming-Unternehmen
Auch: Royalty-Gesellschaft, Streaming-Gesellschaft, Metal Streaming, Royalty Company
Finanzierungsgesellschaften, die Minen vorab Kapital bereitstellen und dafür das Recht erhalten, künftige Edelmetallproduktion zu einem vorab fixierten Preis oder gegen eine umsatzbasierte Gebühr zu beziehen.
Royalty- und Streaming-Unternehmen stellen Bergbaugesellschaften Kapital bereit – oft in der Erschließungs- oder Expansionsphase einer Mine – und erhalten im Gegenzug vertragliche Anrechte auf einen Teil der künftigen Produktion. Sie betreiben selbst keinen Abbau und tragen damit weder Betriebskosten noch Umweltrisiken des Minenbetriebs. Dieses Geschäftsmodell macht sie zu einer eigenen Anlageklasse zwischen physischem Goldkauf und klassischen Minenaktien.
Royalty vs. Streaming – der Unterschied
| Modell | Mechanismus | Typische Gegenleistung |
|---|---|---|
| Royalty | Prozentsatz vom Umsatz oder Gewinn der Mine (z. B. 2 % NSR) | Einmalzahlung an die Mine |
| Streaming | Recht, ein fixes Metallvolumen zu einem Vorzugspreis zu kaufen (z. B. 30 % der Silberproduktion zu 5 USD/oz) | Vorauszahlung (Upfront Payment) |
NSR steht für Net Smelter Return – der Erlös nach Verhüttungs- und Raffineriekosten, auf den der Royalty-Satz angewendet wird. Der tatsächlich realisierte Preis richtet sich nach dem aktuellen Spotpreis.
Wie das Modell funktioniert
- Die Bergbaugesellschaft benötigt Kapital für Erschließung oder Erweiterung.
- Das Royalty-/Streaming-Unternehmen zahlt eine Vorabsumme.
- Ab Produktionsbeginn liefert die Mine vertraglich festgelegte Mengen oder zahlt eine Umsatzbeteiligung.
- Das Royalty-Unternehmen verkauft das Metall zum aktuellen Marktpreis – die Marge zwischen Vorzugspreis und Spotpreis ist sein Ertrag.
Marge = Spotpreis – Vertragslieferpreis – Verwaltungskosten
Da Betriebskosten (AISC) der Mine nicht beim Royalty-Unternehmen anfallen, wirkt ein steigender Goldpreis oder Silberpreis besonders stark auf den Gewinn durch.
Bekannte Unternehmen
Zu den größten börsennotierten Gesellschaften gehören Franco-Nevada, Royal Gold und Wheaton Precious Metals. Sie halten typischerweise Dutzende bis Hunderte von Royalty- und Streaming-Verträgen über mehrere Metalle und Kontinente verteilt, was eine breite Streuung des Minenrisikos ermöglicht.
Chancen und Risiken
Chancen:
- Kein direktes Betriebsrisiko (keine Arbeits-, Energie- oder Umweltkosten)
- Überproportionale Partizipation an steigenden Metallpreisen (vgl. historische Preisentwicklung)
- Breite Diversifikation über viele Minen und Metalle
Risiken:
- Abhängigkeit von der Betriebsleistung der Partnerminen (geopolitische Lage, Genehmigungen, Produktionsausfälle)
- Gegenparteirisiko: Insolvenz der Minengesellschaft kann Verträge entwerten
- Bewertungsaufschlag: Aktien handeln oft mit hohem Kurs-Gewinn-Verhältnis, was Kursrückschläge bei fallenden Metallpreisen verstärken kann
Steuerliche Einordnung: Kursgewinne aus Aktien von Royalty- und Streaming-Unternehmen unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer (25 % zzgl. Solidaritätszuschlag) — unabhängig von der Haltedauer. Die steuerfreie Veräußerung nach einem Jahr (§ 23 EStG) gilt nur für physische Edelmetalle, nicht für Aktien. Dies ist keine Steuer- oder Anlageberatung; individuelle Fragen bitte mit einem Steuerberater klären.
Kurz gemerkt
Royalty- und Streaming-Unternehmen bieten einen börsennotierten Zugang zu Edelmetallpreisen mit reduziertem Betriebsrisiko, aber eigenem Bewertungs- und Gegenparteirisiko – eine Ergänzung zu physischem Metall oder klassischen Minenaktien, kein Ersatz dafür. Wer den reinen Metallpreis verfolgen möchte, kann dies direkt über den Goldrechner oder einen Edelmetall-Sparplan tun.