Spread
Auch: Geld-Brief-Spanne, Bid-Ask-Spread, Handelsspanne
Der Spread ist die Differenz zwischen dem Ankaufspreis (Bid) und dem Verkaufspreis (Ask) eines Edelmetalls und stellt die implizite Handelsmarge des Händlers dar.
Der Spread – auch Geld-Brief-Spanne oder Bid-Ask-Spread genannt – ist eine der zentralen Kennzahlen beim Kauf und Verkauf von Edelmetallen. Er bezeichnet den Unterschied zwischen dem Preis, zu dem ein Händler kauft (Geldkurs / Bid), und dem Preis, zu dem er verkauft (Briefkurs / Ask). Wer heute eine Goldmünze kauft und sie sofort wieder verkauft, realisiert unweigerlich einen Verlust in Höhe des Spreads – ohne dass sich der Marktpreis auch nur einen Cent bewegt hat. Der Spotpreis liegt dabei stets zwischen Bid und Ask.
Formel und Berechnung
Spread (absolut) = Ask-Preis − Bid-Preis
Spread (in %) = ((Ask − Bid) / Ask) × 100
Beispiel: Ein Händler bietet eine 1-Unzen-Goldmünze für 2.380 EUR an (Ask) und kauft sie für 2.310 EUR zurück (Bid). Der Spread beträgt 70 EUR oder rund 2,9 %.
Der Ankaufspreis-Rechner zeigt Ihnen, welcher Rückkaufwert bei aktuellen Marktpreisen realistisch ist.
Spotmarkt vs. physischer Handel
Am professionellen Interbankenmarkt (OTC-Spotmarkt in London) sind die Spreads für Gold extrem eng: Große Marktteilnehmer handeln Standardlose von 100 Feinunzen zu Spannen von teils nur 0,05–0,30 USD je Unze. Privatanleger, die physisches Gold oder Silber kaufen, zahlen deutlich höhere Spannen, weil folgende Kostenfaktoren eingepreist werden:
- Prägung und Herstellung (besonders hoch bei Münzen)
- Logistik und Versicherung (Transport, Lagerung, Lieferung)
- Liquiditätspuffer des Händlers (Absicherung gegen Kursschwankungen im Bestand)
- Vertrieb und Betrieb (Plattformkosten, Personal, Regulierung)
Spread-Vergleich nach Produkttyp
| Produkt | Typischer Spread über Spot | Liquidität |
|---|---|---|
| Gold-Großbarren (400 oz, LBMA Good Delivery) | 0,1–0,5 % | Sehr hoch |
| Gold-Kilobarren (Privatanleger) | 0,5–1,5 % | Hoch |
| Krügerrand / Maple Leaf 1 oz | 2–5 % | Mittel–hoch |
| Gold-Kleinbarren (1 g) | 8–15 % | Gering |
| Silber-Münze 1 oz | 5–15 % | Mittel |
| Silber-Kilobarren | 3–7 % | Mittel |
| Platin-Münze 1 oz | 4–10 % | Gering |
Hinweis: Die Werte sind Richtwerte und variieren je nach Anbieter, Marktlage und Ordervolumen.
Einflussfaktoren auf die Spread-Höhe
1. Marktliquidität: Gold ist das liquideste physische Edelmetall der Welt – entsprechend eng sind seine Spreads. Silber, Platin und Palladium weisen bei gleicher Stückelung in der Regel höhere prozentuale Spannen auf.
2. Stückelung: Kleine Einheiten haben relativ hohe Fertigungskosten – ein 1-Gramm-Goldbarren kostet in der Herstellung fast so viel wie ein 10-Gramm-Barren, der Materialwert ist aber zehnmal geringer. Daher steigt der prozentuale Spread mit sinkender Größe deutlich an.
3. Marktvolatilität: In Krisenzeiten, bei starken Kursbewegungen oder dünner Marktliquidität (z. B. Feiertage) weiten Händler ihre Spannen aus, um das erhöhte Preisrisiko abzudecken. Wer den aktuellen Goldpreis im Blick behält, erkennt solche Phasen an schnell wechselnden Kursen.
4. Wettbewerb: Bei hohem Anbieterwettbewerb sinken die Margen. Online-Händler mit hohem Volumen können engere Spreads anbieten als lokale Münzhändler.
5. Aufgeld (Agio): Beim physischen Handel wird der Spread oft als Teil des Aufgelds kommuniziert. Das Aufgeld umfasst neben dem Händlerspread auch Fertigungskosten und ggf. Steuern (bei Silber die Mehrwertsteuer).
Spread beim Verkauf: der Ankaufspreis
Wer physisches Edelmetall verkauft, erhält stets den Ankaufspreis – den Geldkurs (Bid) des Händlers. Dieser liegt unterhalb des aktuellen Spotpreises. Der Unterschied zwischen dem Preis, den man beim Kauf gezahlt hat (Ask), und dem Preis, den man beim Rückverkauf erhält (Bid), entspricht dem vollen Spread, den man als Anleger tragen muss.
Für eine realistische Renditeberechnung sollte der Spread daher als „Entry-Cost" verstanden werden: Das Edelmetall muss zunächst um mindestens den Spread-Betrag im Wert steigen, bevor eine Position die Gewinnschwelle überschreitet.
Hinweis: Rendite- und Steuerberechnungen sind individuell verschieden. Dies stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar.
Spread vs. Aufgeld: der Unterschied
Der Begriff Aufgeld (Agio, englisch: Premium) wird im physischen Edelmetallhandel breiter verwendet. Er beschreibt den gesamten Aufpreis über den Spotpreis – inklusive Prägekosten, Logistik, Händlermarge und (bei Silber) Umsatzsteuer. Der Spread im engeren Sinne ist nur der Unterschied zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis desselben Händlers. In der Praxis werden beide Begriffe aber oft synonym genutzt.
Kurz gemerkt
Der Spread ist die unvermeidliche Transaktionsgebühr des physischen Edelmetallhandels: Je größer die Stückelung, je liquider das Metall und je stabiler der Markt, desto enger fällt die Spanne aus. Wer vor dem Kauf Angebote vergleicht und auf standardisierte Produkte setzt, reduziert den Spread-Nachteil spürbar – und erhöht damit die Renditeeffizienz seiner Anlage.