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Preis & Markt

Backwardation

Auch: Rückwärtskurve, Inverted Market

Backwardation bezeichnet eine Marktsituation, in der der Kassapreis (Spotpreis) eines Rohstoffs über dem Terminpreis liegt – ein Signal für akute physische Knappheit.

Backwardation (von englisch backward – rückwärts) beschreibt einen Zustand am Terminmarkt, bei dem der Spotpreis eines Edelmetalls höher notiert als der Preis für Futures-Kontrakte mit späterer Lieferung. Die Terminkurve verläuft also von links oben nach rechts unten – im Gegensatz zum weitaus häufigeren Contango, bei dem Futures teurer als der Kassapreis sind.

Wie entsteht Backwardation?

Die Ursachen liegen fast immer auf der physischen Angebotsseite:

  • Akuter Lieferengpass: Großabnehmer (Industrie, Münzprägeanstalten, Raffinerien) brauchen sofort verfügbares Metall und zahlen einen Aufpreis gegenüber später lieferbaren Kontrakten.
  • Hohe Leihsätze (Lease Rates): Steigen die Kosten für geliehenes physisches Metall stark an, zieht das den Spotpreis nach oben.
  • Rückgang des Lagerbestands: Sinken die zertifizierten Bestände an den Terminbörsen (COMEX, LME) auf ein Minimum, können Händler keine günstige Arbitrage mehr durchführen – die Kurve kippt.
  • Vertrauensverlust in Papiergold/-silber: In Stressphasen ziehen Marktteilnehmer physische Lieferung vor; das drückt Futurespreise relativ zum Kassapreis.

Backwardation vs. Contango im Vergleich

Merkmal Backwardation Contango
Terminkurve Fallend (Future < Spot) Steigend (Future > Spot)
Häufigkeit bei Edelmetallen Selten, meist kurz Normalzustand
Signal Physische Knappheit Ausreichendes Angebot + Lagerkosten
Vorteil für Käufer Sofortige Lieferung günstiger als Aufschub Zukünftige Lieferung preiswerter
Typische Dauer Tage bis wenige Wochen Monate bis dauerhaft

Die Formel hinter der Terminkurve

F = S × e^((r + s - c) × T)

F = Futurespreis, S = Spotpreis, r = risikoloser Zinssatz, s = Lager-/Versicherungskosten (Storage), c = Convenience Yield (Vorteil der sofortigen Verfügbarkeit), T = Laufzeit in Jahren.

Bei Backwardation übersteigt die Convenience Yield c die Summe aus Zins und Lagerkosten (r + s). Das heißt: Der Markt bewertet sofort verfügbares Metall so hoch, dass alle Haltekosten mehr als ausgeglichen werden.

Bedeutung für Edelmetallanleger

Backwardation bei Silber tritt häufiger auf als bei Gold, weil Silber stärker industriell nachgefragt wird und die globalen Lagerbestände deutlich kleiner sind. Phasen echter Backwardation können auf ein temporäres Marktungleichgewicht hinweisen, das Händler durch historische Preisverläufe und saisonale Muster einordnen sollten.

Wichtig zu verstehen:

  1. Backwardation ist kein automatisches Kaufsignal – die Ursache kann ebenso gut eine Liquiditätskrise oder Sondersituation an einer einzelnen Börse sein.
  2. ETF- und ETC-Anleger sind indirekt betroffen: Rollt ein Produkt Futures in einem Backwardation-Markt, entstehen positive Rollrenditen (Rollgewinn), weil der neue, günstigere Kontrakt mit der Zeit auf den Spotpreis steigt.
  3. Physische Käufer profitieren: Wer sofort kauft, zahlt zwar den hohen Kassapreis, vermeidet aber Lager- und Finanzierungskosten für die Haltezeit.

Hinweis: Steuerliche und rechtliche Aspekte des Edelmetallhandels sind individuell – dies ist keine Anlage- oder Steuerberatung.

Kurz gemerkt

Backwardation zeigt, dass der Markt physisches Metall jetzt höher bewertet als künftige Lieferungen – ein seltenes, aber aussagekräftiges Signal für reale Angebotsknappheit. Wer die Terminkurve im Blick behält, erkennt frühzeitig, ob sich Stress im physischen Markt aufbaut.

Zurück zum Lexikon Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026

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