Erzgehalt
Auch: Grade, Mineralgehalt, g/t
Der Erzgehalt gibt an, wie viel Gramm eines Edelmetalls (z. B. Gold oder Silber) pro Tonne Roherz enthalten sind, und ist die wichtigste Kenngröße zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit einer Mine.
Der Erzgehalt (englisch: Grade) ist eine der zentralen Kenngrößen im Bergbau. Er beschreibt die Konzentration eines verwertbaren Metalls im Roherz und wird für Edelmetalle üblicherweise in Gramm pro Tonne (g/t) angegeben. Ein Erzgehalt von 5 g/t bedeutet: In jeder Tonne abgebautem Gestein sind durchschnittlich 5 Gramm Gold (oder das betrachtete Metall) enthalten. Der aktuelle Goldpreis bestimmt maßgeblich, ab welchem Mindestgehalt ein Abbau rentabel ist.
Wie der Erzgehalt berechnet wird
Die Messung erfolgt durch systematische Beprobung (Bohrkerne, Schürfgräben) und anschließende chemische Analyse im Labor. Aus vielen Einzelproben wird ein statistisch gemittelter Blockgehalt ermittelt, der in Ressourcen- und Reservenschätzungen einfließt.
Metallgehalt [g/t] = (enthaltenes Metall [g]) / (Erzgewicht [t])
Für die Gesamtproduktion einer Mine gilt vereinfacht:
Metallausbeute [g] = Erzgehalt [g/t] × Tonnage [t] × Gewinnungsrate [%]
Cut-off-Grade: die wirtschaftliche Untergrenze
Der sogenannte Cut-off-Grade ist der Mindesterzgehalt, unterhalb dessen Material nicht mehr abgebaut wird, weil die Kosten den Erlös übersteigen. Er hängt direkt vom Goldpreis und den All-in Sustaining Costs (AISC) ab:
| Abbaumethode | Typischer Cut-off-Grade |
|---|---|
| Tagebau (Open-Pit) | 0,3 – 0,5 g/t |
| Untertagebau | 2 – 4 g/t |
| Hochgradige Untertage-Mine | > 8 g/t |
Steigt der Goldpreis, sinkt der Cut-off-Grade – Lagerstätten, die zuvor unwirtschaftlich waren, werden plötzlich abbauwürdig. Dieser Mechanismus beeinflusst das globale Goldangebot mit einer Verzögerung von mehreren Jahren.
Bedeutung für Anleger und den Markt
Der Erzgehalt ist ein Schlüsselindikator für die Rentabilität von Minenproduktion und Minenaktien. Hochgradige Minen produzieren zu geringeren Stückkosten und sind widerstandsfähiger gegenüber fallenden Metallpreisen. Niedriggradige Großbetriebe (Bulk-Mining) kompensieren den geringeren Gehalt durch enorme Volumina.
Für die Primärförderung von Gold gilt: Der weltweite Durchschnittsgrade ist seit Jahrzehnten rückläufig, da die einfach zugänglichen, reichhaltigen Lagerstätten weitgehend erschöpft sind. Das strukturell sinkende Angebot aus bestehenden Minen ist ein langfristiger Treiber für den Goldpreis.
Bei Beiproduktförderung – etwa Silber als Nebenprodukt einer Kupfermine – wird der effektive Erzgehalt für das Nebenmetall separat ausgewiesen und trägt zur Kostensenkung bei.
Kurz gemerkt
Je höher der Erzgehalt, desto wirtschaftlicher der Abbau – und desto weniger empfindlich ist eine Mine gegenüber fallenden Edelmetallpreisen. Der weltweit sinkende Durchschnittsgrade begrenzt langfristig das Primärangebot und stützt strukturell den Goldpreis.