Minenproduktion (Grade / Cut-off)
Auch: Primärförderung, Bergbauproduktion, Mine Supply
Die Minenproduktion beschreibt die Gesamtmenge an Edelmetall, die durch den Bergbau aus dem Erz gewonnen wird, wobei der Erzgehalt (Grade) und der wirtschaftliche Mindestgehalt (Cut-off) bestimmen, welches Material überhaupt abgebaut wird.
Die Minenproduktion ist die bedeutendste Angebotsquelle am Edelmetallmarkt. Jedes Jahr fördern Bergbauunternehmen weltweit tausende Tonnen Gold, Silber, Platin und Palladium aus dem Erdinneren – ein Prozess, der maßgeblich durch zwei technisch-wirtschaftliche Kenngrößen gesteuert wird: Erzgehalt (Grade) und Cut-off-Gehalt.
Erzgehalt (Grade)
Der Erzgehalt gibt an, wie viel Gramm eines Edelmetalls in einer Tonne Roherz enthalten sind (g/t). Je höher der Grade, desto ertragreicher das Erz. Man unterscheidet:
| Kategorie | Gold-Grade (g/t) | Einordnung |
|---|---|---|
| Low-Grade | 0,3 – 1,5 g/t | Großflächiger Tagebau nötig |
| Medium-Grade | 1,5 – 5,0 g/t | Mehrzahl der globalen Minen |
| High-Grade | ab 5,0 g/t | Untertageminen, sehr profitabel |
Cut-off-Gehalt
Der Cut-off ist der Mindesterzgehalt, ab dem ein Abbau noch wirtschaftlich sinnvoll ist. Er ist keine fixe Größe, sondern hängt direkt vom aktuellen Goldpreis oder Silberpreis sowie den Förderkosten (insbesondere den AISC – All-in Sustaining Costs) ab:
Cut-off (g/t) = Förderkosten ($/t Erz) ÷ Metallpreis ($/g)
Steigt der Metallpreis, sinkt der Cut-off – mehr Erzkörper werden wirtschaftlich, die förderbare Reserve wächst. Fällt der Preis, steigt der Cut-off, und bisher rentable Lagerstätten werden stillgelegt. Dieser Mechanismus dämpft langfristig extreme Preisbewegungen.
Primärförderung vs. Beiprodukt
Gold und Silber werden sowohl als Primärmetall (eigene Goldminen) als auch als Beiprodukt bei der Kupfer-, Zink- oder Bleigewinnung gefördert. Rund 30 % des weltweiten Silberangebots stammen aus Nichteisenmetall-Minen – das Silbervolumen reagiert dort nur schwach auf den Silberpreis, weil die Förderentscheidung vom Leitmetall abhängt.
Einfluss auf den Edelmetallpreis
Langfristig bestimmt die Minenproduktion den Angebotssockel am Markt. Neue Minenentwicklungen dauern typischerweise 7–15 Jahre von der Entdeckung bis zur Produktion. Ein Angebotsengpass, ausgelöst durch fallende Grades in bestehenden Minen oder mangelnde Investitionen, schlägt deshalb mit erheblicher Verzögerung auf die Preise durch. Die historischen Preisentwicklungen zeigen solche Zyklen deutlich.
Kurz gemerkt
Grade und Cut-off sind die Stellschrauben, die bestimmen, ob ein Erzkörper überhaupt abgebaut wird – ein steigender Edelmetallpreis erschließt automatisch neue Reserven, ein fallender Preis legt sie still. Anleger sollten diese Angebotslogik kennen, um Preiszyklen besser einzuordnen.