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Reinheit & Legierungen

Feingold (999)

Auch: 999er Gold, 24 Karat, .999 Fine Gold, 9999 Gold

Feingold bezeichnet Gold mit einem Feingehalt von mindestens 999 Tausendteilen (999 ‰), also einer Reinheit von 99,9 Prozent oder höher.

Feingold ist die reinste kommerziell gehandelte Form von Gold und bildet die Grundlage aller Preisnotierungen am Weltmarkt. Der Goldpreis wird stets in US-Dollar je Feinunze Feingold angegeben – unabhängig davon, ob ein Anleger Barren, Münzen oder ein Wertpapier erwirbt. Wer den tatsächlichen Materialwert eines Goldgegenstandes ermitteln möchte, benötigt zunächst den Feingehalt und kann diesen anschließend im Schmelzwertrechner verwenden.

Was bedeutet „999" als Feingehalt?

Der vierstellige Stempel 999 (oder auch 999,9) steht für Tausendteile reines Gold im Gesamtgewicht:

Feingewicht = Raugewicht × (Feingehalt ‰ ÷ 1000)

Beispiel: 31,103 g (1 Feinunze) × (999 ÷ 1000) = 31,072 g reines Gold

In der Praxis unterscheidet der Markt zwei Stufen:

Stempel Reinheit Bezeichnung Typische Produkte
999 ≥ 99,9 % Dreifach-Neun / Fine Gold Standardbarren, viele Bullionmünzen
999,9 ≥ 99,99 % Vierfach-Neun / Four Nines Anlagemünzen (Maple Leaf, Philharmoniker), Kilobarren
999,99 ≥ 99,999 % Fünffach-Neun Spezialbarren für Labore und Halbleiterindustrie

Die LBMA Good Delivery-Norm für Großhandelsbarren (400-Unzen-Barren am Londoner Markt) verlangt mindestens 995 ‰ – Feingold übererfüllt diese Anforderung deutlich.

Warum ist Feingold so weich?

Reines Gold ist eines der duktilsten Metalle überhaupt: Ein Gramm lässt sich zu einem Draht von rund zwei Kilometern Länge ausziehen oder zu einem Blatt von etwa einem Quadratmeter hämmern. Die Mohshärte beträgt nur 2,5 – ein Fingernagel (Mohshärte ~2,5) hinterlässt bereits Kratzer. In der Schmuckherstellung wird Gold deshalb fast nie als Feingold eingesetzt, sondern mit Kupfer, Silber oder Palladium legiert (→ 585er Gold, 750er Gold). Für Anlageprodukte ist die Weichheit dagegen kein Nachteil, solange die Münzen oder Barren sachgemäß gelagert werden.

Anlagegold: Steuerliche Sonderstellung

In Deutschland – und EU-weit – genießt Feingold in Form von Anlagebargold eine Umsatzsteuerbefreiung gemäß § 25c UStG (umgesetzt aus der EU-Richtlinie 1998/80/EG). Die Voraussetzungen:

  1. Goldbarren oder -plättchen mit einem Feingehalt von mindestens 995 ‰
  2. Gewicht von mindestens 1 Gramm
  3. Münzen mit Feingehalt ≥ 900 ‰, die nach 1800 geprägt wurden und gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren

Da Feingold (999 ‰) diese Schwellen weit übertrifft, sind alle gängigen Anlagebarren und Bullionmünzen aus Feingold umsatzsteuerfrei. Hinweis: Dies ist keine Steuerberatung; bei individuellen Fragen bitte einen Steuerberater hinzuziehen.

Typische Feingold-Produkte

Barren sind die klassische Form: Das Angebot reicht von 1-Gramm-Kreditkartenbarren bis zum 12,5-Kilogramm-Großhandelsbarren. Gegossene Barren (erkennbar an der rauen Oberfläche) und geprägte Barren (spiegelglatte Flächen, schärfere Kanten) erreichen beide 999,9 ‰. Führende Scheideanstalten wie Heraeus, Umicore, PAMP Suisse und Valcambi versehen ihre Produkte mit einem Assay-Zertifikat und einer Seriennummer.

Münzen aus Feingold haben sich seit den 1970er-Jahren als wichtige Anlageform etabliert:

  • Maple Leaf (Kanada, seit 1979): 999,9 ‰, Sonderedition 99999 (fünf Neunen)
  • Wiener Philharmoniker (Österreich, seit 1989): 999,9 ‰, meistverkaufte Goldmünze Europas
  • American Buffalo (USA, seit 2006): 999,9 ‰, erste US-Feingoldmünze
  • Känguru/Nugget (Australien, seit 1986): 999,9 ‰, wechselndes Motiv jährlich

Der Krügerrand (Südafrika, seit 1967) hingegen enthält 91,67 % Gold (916,7 ‰ = 22 Karat) – er ist kein Feingold, enthält aber – trotz eines höheren Raugewichts von rund 33,93 g – exakt 1 Feinunze reines Gold.

Prüfung und Echtheit

Feingold lässt sich auf verschiedene Arten verifizieren:

  • Stempelprüfung: Punze 999 oder 9999, ggf. kombiniert mit Herstellerlogo und Seriennummer
  • Dichtemessung nach Archimedes: Feingold hat 19,32 g/cm³ – Wolfram liegt mit 19,25 g/cm³ zwar nah, ist aber durch Ultraschallprüfung oder Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) sicher zu unterscheiden
  • Magnettest: Gold ist diamagnetisch und wird von einem Magneten nicht angezogen; reagiert ein Stück auf Magnete, enthält es Fremdstoffe
  • Klangprobe (Ping-Test): Echte Münzen aus Feingold erzeugen einen klaren, langanhaltenden Ton

Mit dem Goldrechner lässt sich schnell prüfen, ob der verlangte Händlerpreis zum aktuellen Spotpreis passt.

Feingehalt vs. Karat: Die Umrechnung

Der Karat-Wert (Goldschmuck) und der Promille-Stempel (Barren/Münzen) beschreiben dasselbe in unterschiedlichen Systemen:

Karat Feingehalt ‰ Reinheit %
24 kt 999 – 999,9 99,9 – 99,99
22 kt 916,7 91,67
18 kt 750 75,00
14 kt 585 58,50
8 kt 333 33,30

Feingold entspricht damit immer 24 Karat – theoretisch könnten 24 Karat auch 999,999 ‰ bedeuten, da Karat eine Bruchdarstellung (24/24) ist. In der Handelspraxis gilt 24 Karat = 999 ‰ oder besser.

Kurz gemerkt

Feingold (999) ist das reinste regulär gehandelte Gold, bildet die Grundlage aller Weltmarktpreise und genießt in Deutschland Umsatzsteuerfreiheit als Anlagegold. Wer Barren oder Münzen aus Feingold kauft oder verkauft, sollte stets den aktuellen Goldpreis und den Schmelzwertrechner zur Hand nehmen, um Aufgelder realistisch einzuschätzen.

Zurück zum Lexikon Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026

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