Über-Tage- / Unter-Tage-Abbau
Auch: Tagebau, Untertagebau, Surface Mining, Underground Mining, Tiefbau
Zwei grundlegende Abbauverfahren im Bergbau, bei denen Erze entweder im offenen Tagebau (oberflächennah) oder im Untertagebau (in tiefen Stollen und Schächten) gewonnen werden.
Die Wahl zwischen Tagebau und Untertagebau entscheidet maßgeblich darüber, wie teuer und wie ertragreich eine Lagerstätte wirtschaftlich erschlossen werden kann – und damit indirekt über das globale Edelmetallangebot und den Goldpreis.
Tagebau (Über-Tage-Abbau)
Beim Tagebau wird das erzführende Gestein in großen, stufenförmigen Gruben (engl. open-pit) von der Erdoberfläche aus abgebaut. Massive Sprengungen lösen das Gestein, Bagger und Muldenkipper transportieren es zur Aufbereitung. Diese Methode ist wirtschaftlich, wenn der Erzgehalt gering, aber die Lagerstätte großvolumig ist.
Vorteile:
- Geringere Förderkosten pro Tonne Erz
- Hohe Maschinisierung und Durchsatzraten möglich
- Einfachere Sicherheitsbedingungen für Bergleute
Nachteile:
- Erheblicher Flächenverbrauch und Landschaftseingriff
- Abraummengen ein Vielfaches des Erzvolumens
- Tiefenbegrenzung durch Standsicherheit der Böschungen
Bekannte Tagebau-Goldminen sind die Boddington-Mine in Australien (größte Tagebau-Goldmine der Welt) und die Cripple Creek & Victor-Mine in Colorado (USA).
Untertagebau
Liegt die Lagerstätte tief oder ist sie schmalem, hochgradigem Erz (sog. high-grade) zuzuordnen, wird der Untertagebau bevorzugt. Über Schächte und Stollen erschließen Bergleute die Erzgänge in mehreren Kilometern Tiefe. Die südafrikanischen Witwatersrand-Minen – historisch bedeutendste Goldquellen der Welt – erreichen Teufen von über 4 km; die Mponeng-Mine ist mit mehr als 4 km die derzeit tiefste Goldmine der Welt.
Vorteile:
- Zugang zu tiefen, hochgradigen Lagerstätten
- Geringerer Flächenverbrauch an der Oberfläche
- Selektiverer Abbau reduziert Abraum
Nachteile:
- Erheblich höhere Betriebskosten (Belüftung, Kühlung, Förderung)
- Komplexere Arbeitssicherheit (Hitze, Gebirgsdruck, Gasgefahren)
- Höhere Kapitalintensität bei Erschließung
Wirtschaftliche Schwelle: Cut-off-Grade
Die Grenze zwischen rentablem und unrentablem Abbau hängt vom Cut-off-Grade ab – dem Mindest-Erzgehalt, ab dem Förderung die Gesamtkosten (inkl. AISC) deckt. Steigt der Goldpreis, sinkt dieser Schwellenwert, und zuvor unwirtschaftliche Lagerstätten werden förderbar – ein direkter Rückkopplungseffekt auf das Primärangebot.
Deckungsschwelle: Erlös/t = Erzgehalt [g/t] × Metallpreis [€/g] ≥ AISC [€/t]
Silber, Platin und Palladium
Silber, Platin und Palladium stammen überwiegend als Beiprodukt aus Kupfer-, Blei- und Nickel-Bergwerken. Dort bestimmt die Wirtschaftlichkeit des Hauptmetalls, ob die Mine läuft – das Edelmetallangebot ist in diesen Fällen weitgehend preisunelastisch.
Kurz gemerkt
Tagebau dominiert volumenmäßig die weltweite Edelmetallproduktion durch niedrige Stückkosten; Untertagebau erschließt hochgradige Tieflagerstätten zu höheren AISC. Beide Verfahren beeinflussen über ihre Kostenstrukturen das langfristige Angebot – und damit die Preisentwicklung, die Sie in den historischen Edelmetallpreisen nachvollziehen können.