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Zahngold (Dentallegierung)

Auch: Dentallegierung, Dentalmetall, Dental-Gold, Altgold aus Zahnarztpraxis

Zahngold bezeichnet edelmetallhaltige Dentallegierungen, die in der Zahnmedizin für Kronen, Brücken und Inlays verwendet werden und beim Recycling wertvolle Edelmetalle wie Gold, Platin und Palladium liefern.

Zahngold ist kein reines Gold, sondern eine edelmetallhaltige Dentallegierung, die speziell für den Einsatz im menschlichen Mund entwickelt wurde. Die Anforderungen sind streng: Das Material muss korrosionsbeständig, biokompatibel, formstabil und dauerhaft belastbar sein. Seit Jahrzehnten werden solche Legierungen für Kronen, Brücken, Inlays, Onlays und Teleskopprothesen eingesetzt. Wer altes Zahngold besitzt – aus dem eigenen Mund oder dem eines Angehörigen – kann es an eine Scheideanstalt oder einen Edelmetallankäufer verkaufen und erhält dafür den Schmelzwert auf Basis des aktuellen Goldpreises.

Zusammensetzung: Drei Klassen von Dentallegierungen

Die Zahnmedizin unterscheidet Dentallegierungen nach ihrem Edelmetallgehalt in drei Hauptklassen:

Klasse Goldgehalt Weitere Edelmetalle Typische Verwendung
Hochgoldlegierung 60–85 % Pt, Pd, Ag Kronen, Brücken, Inlays
Goldreduzierte Legierung 25–60 % Pd, Ag, Cu Günstigere Kronen, Teilprothesen
Non-Precious (NEM) 0 % Cr, Co, Ni, Mo Basismetalllegierungen (kein Zahngold)

Hochgoldlegierungen enthalten neben Gold häufig Platin (für Festigkeit und Anlaufschutz), Palladium (erhöht den Schmelzpunkt und verbessert Härte), Silber (günstigerer Streckzusatz) sowie in kleinen Mengen Kupfer, Zink oder Indium zur Einstellung von Gieß- und Verarbeitungseigenschaften.

Goldreduzierte Legierungen (auch Edelmetalllegierungen ohne Hochgold) bestehen oft aus einem Palladium-Silber-Basis-System mit vergleichsweise wenig Gold. Ihr Edelmetallgehalt liegt dennoch weit über dem von Schmuck mit 333er Gold.

Warum überhaupt Edelmetall beim Zahnarzt?

Die physikalischen und chemischen Eigenschaften von Edelmetallen machen sie für die Zahnmedizin besonders geeignet:

  • Korrosionsbeständigkeit: Im Speichel-Milieu mit wechselnden pH-Werten und Temperaturen (10–60 °C) rosten oder oxidieren Edelmetalle kaum.
  • Biokompatibilität: Hochgoldlegierungen gelten als sehr verträglich; allergische Reaktionen sind selten (im Gegensatz zu nickelhaltigen NEM-Legierungen).
  • Verarbeitbarkeit: Zahngold lässt sich präzise gießen, schleifen und polieren – wichtig für die passgenaue Versorgung eines präparierten Zahns.
  • Langlebigkeit: Gut verarbeitetes Zahngold kann Jahrzehnte halten.

Seit den 1990er-Jahren gewinnen keramische Vollkronen und Zirkonoxid-Restaurationen an Bedeutung (zahnfarben, metallfreie Ästhetik). Der Goldverbrauch in der Dentaltechnik ist seither zurückgegangen, macht aber global noch immer einen nennenswerten Anteil der Goldnachfrage aus.

Den Schmelzwert von Zahngold berechnen

Der Wert von Zahngold ergibt sich aus dem Feingewicht der enthaltenen Edelmetalle multipliziert mit deren Tagespreisen. Da Zahngold in der Regel aus mehreren Metallen besteht, muss jedes separat bewertet werden.

Schmelzwert = (Raugewicht × Goldanteil × Goldpreis)
            + (Raugewicht × Palladiumanteil × Palladiumpreis)
            + (Raugewicht × Platinanteil × Platinpreis)
            + ...

Beispiel: Eine Krone mit 2,0 g Raugewicht aus einer Legierung mit 75 % Gold, 10 % Palladium und 5 % Platin:

  • Gold: 2,0 g × 0,75 = 1,50 g Feingold
  • Palladium: 2,0 g × 0,10 = 0,20 g Feinpalladium
  • Platin: 2,0 g × 0,05 = 0,10 g Feinplatin

Die tatsächliche Auszahlung liegt je nach Ankäufer bei 75–90 % des rechnerischen Schmelzwerts. Den vollständigen Schmelzwert können Sie mit dem Zahngold-Rechner oder dem allgemeinen Schmelzwert-Rechner auf Basis des aktuellen Goldpreises ermitteln.

Ankauf: So läuft der Verkauf ab

  1. Sammeln: Kronen, Brücken und Inlays nach dem Entfernen vom Zahnarzt aufbewahren. Zahnarztpraxen sind verpflichtet, entfernte Restaurationen dem Patienten auszuhändigen.
  2. Identifizieren: Sichtprüfung (Hochgold = gelblich-golden; goldreduziert = weißlich-silbrig). Keine verlässliche Aussage ohne Analyse.
  3. Angebot einholen: Ankäufer (Scheideanstalten, Edelmetallhändler, Online-Ankauf) nennen meist Pauschalpreise pro Gramm auf Basis der sichtbaren Legierungsklasse oder führen eine Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) durch.
  4. Analyse und Auszahlung: Seriöse Scheideanstalten schmelzen das Material ein, analysieren die Legierung exakt und zahlen auf Basis des tatsächlich ermittelten Feingehalts.

Hinweis zu Steuern: Gewinne aus dem Verkauf von Zahngold können unter Umständen als privates Veräußerungsgeschäft (§ 23 EStG) steuerpflichtig sein, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf weniger als ein Jahr liegt. Dies ist ein Hinweis – keine Steuer- oder Anlageberatung; bitte konsultieren Sie im Zweifel einen Steuerberater.

Zahngold und Recycling

Zahngold ist ein bedeutender Bestandteil des Altgold-Recyclings. Weltweit fallen jährlich erhebliche Mengen dental genutzter Edelmetalle an – aus Praxen, Zahntechniklabors und Krematoriumsrückständen. Scheideanstalten schmelzen das Material ein, trennen die Metalle pyrometallurgisch oder hydrometallurgisch und gewinnen reines Gold, Palladium und Platin zurück. Dieses Sekundärmaterial fließt in die Edelmetallproduktion zurück und schont damit Primärressourcen.

Kurz gemerkt

Zahngold ist eine komplexe Edelmetalllegierung mit Gold, Palladium und Platin als wertbestimmenden Komponenten – der tatsächliche Wert hängt vom genauen Feingehalt und dem Tagespreis aller enthaltenen Metalle ab. Wer altes Zahngold verkaufen möchte, sollte den Schmelzwert vorher berechnen und Angebote mehrerer seriöser Ankäufer vergleichen.

Zurück zum Lexikon Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026

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