Granulat
Auch: Schrot, Shot, Körner, Pellets
Granulat bezeichnet kleine, unregelmäßige Körner oder Kügelchen aus Edelmetall, die durch Ausgießen von Schmelze in Wasser entstehen und vorwiegend als Industrie- und Verarbeitungsmaterial dienen.
Granulat ist eine der ältesten und praktischsten Angebotsformen für Edelmetalle in der Industrie. Bei der sogenannten Abschreckgranulierung wird flüssiges Metall in dünnem Strahl in ein Wasserbad gegossen: Die Schmelze reißt in kleine Tropfen, die schlagartig erstarren und dabei ihre charakteristisch runde bis nierenförmige Gestalt annehmen. Das Ergebnis sind lose, gut schüttbare Körner, die sich ideal für maschinelle Dosierung und Weiterverarbeitung eignen.
Einsatzgebiete
Granulat findet überall dort Verwendung, wo Edelmetalle eingeschmolzen oder präzise zudosiert werden müssen:
- Schmuckherstellung – Goldgranulat (meist 999,9 ‰) wird in Legiertiegel gegeben, um Karat-Legierungen herzustellen.
- Zahnmedizin – Dentallegierungen werden aus exakt gewogenem Granulat erschmolzen.
- Elektronikindustrie – Feingranulat aus Silber oder Palladium dient als Ausgangsmaterial für Leitpasten und Kontakte.
- Scheideanstalt & Raffination – Angeliefertes Altgold oder Bruchgold wird zur Analyse und Wiederaufbereitung granuliert, weil Körner eine homogene Probe ermöglichen.
- Münzproduktion – Münzrohlinge (Blanks) entstehen aus standardisiertem Granulat durch Walzen und Stanzen.
Vorteile gegenüber Barren
| Eigenschaft | Granulat | Barren |
|---|---|---|
| Dosiergenauigkeit | sehr hoch (gravimetrisch) | eingeschränkt |
| Schmelzgeschwindigkeit | schnell (große Oberfläche) | langsamer |
| Transport & Lagerung | schüttfähig, platzsparend | stapelbar, formstabil |
| Handelsprämie | gering bis keine | je nach Stückelung variabel |
| Anlegereignung | gering | hoch |
Den aktuellen Goldpreis als Basis für den Materialwert können Sie jederzeit live abrufen; den Feingewichtsanteil Ihres Granulats ermitteln Sie bequem mit dem Schmelzwertrechner.
Herstellung & Feingehalt
Handelsübliches Edelmetallgranulat wird von Scheideanstalten wie Heraeus, Umicore oder Valcambi in Feingehalten von 999 ‰ (Feinsilber) und 999,9 ‰ (Feingold) angeboten. Der Feingehalt ist auf dem Lieferschein oder Analysezertifikat ausgewiesen; eine eigene Dichteprüfung nach Archimedes oder eine Röntgenfluoreszenzanalyse kann zur Verifikation herangezogen werden.
Feingewicht [g] = Raugewicht [g] × Feingehalt [‰] ÷ 1000
Steuerlicher Hinweis
§ 25c UStG befreit Goldbarren und -plättchen mit einem Feingehalt von mindestens 995 ‰ von der Mehrwertsteuer (Anlagegold). Ob Feingoldgranulat (Schrot/Körner) darunter fällt, hängt von der konkreten Form und Handelbarkeit ab und wird von Scheideanstalt zu Scheideanstalt unterschiedlich eingestuft — im Zweifel liegt eine Mehrwertsteuerpflicht vor. Für Feinsilber- und Platingranulat fällt stets der reguläre Mehrwertsteuersatz an. Hinweise zu Veräußerungsgewinnen und Haltefristen sind keine Steuer- oder Anlageberatung – bitte konsultieren Sie hierzu einen Steuerberater.
Kurz gemerkt
Granulat ist die bevorzugte Industrieform für Edelmetalle, wenn schnelles Einschmelzen, präzise Dosierung und flexible Losgrößen gefragt sind. Für private Anleger eignet es sich kaum, da Aufmachung und Handelbarkeit gegenüber Barren und Münzen deutlich eingeschränkt sind.