Cyanidlaugung
Auch: Cyanidlaugung, Cyanidation, Zyanidlaugung, Carbon-in-Leach, Heap Leaching
Hydrometallurgisches Verfahren zur Goldgewinnung, bei dem zermahlenes Erz mit einer verdünnten Natriumcyanidlösung behandelt wird, um Gold selektiv in Lösung zu bringen.
Die Cyanidlaugung ist seit dem späten 19. Jahrhundert das weltweit dominierende Verfahren zur Gewinnung von Gold aus oxidischen Erzen. Dabei wird gemahlenes Gestein mit einer schwach alkalischen Natriumcyanidlösung (NaCN) in Kontakt gebracht, die Gold – und in geringerem Maß Silber – selektiv löst. Das gewonnene Metall wird anschließend durch Affinage auf Scheidegüte gebracht und schließlich als Doré-Barren zu Raffinerien geliefert. Mehr als drei Viertel der jährlichen Minenproduktion werden auf diese Weise gewonnen.
Chemischer Hintergrund
Die Grundreaktion (MacArthur-Forrest-Prozess, 1887) lautet:
4 Au + 8 NaCN + O₂ + 2 H₂O → 4 Na[Au(CN)₂] + 4 NaOH
Gold bildet dabei den stabilen Dicyanoaurat(I)-Komplex ([Au(CN)₂]⁻). Sauerstoff wirkt als Oxidationsmittel; ein pH-Wert von 10–11 hält die Lösung stabil und verhindert die Bildung des hochgiftigen Blausäuregases (HCN).
Verfahrensvarianten
| Variante | Anwendung | Besonderheit |
|---|---|---|
| Heap Leaching | Arme Erze (< 1 g/t Au) | Lösung rieselt über aufgeschüttete Halde |
| Carbon-in-Leach (CIL) | Reichere Erze | Aktivkohle adsorbiert Gold direkt im Reaktor |
| Carbon-in-Pulp (CIP) | Oxidische Erze | Trennung von Laugung und Adsorption |
| BIOX / Biooxidation | Sulfidische Erze | Bakterien oxidieren Sulfide vor der Laugung |
Nach der Adsorption wird Gold von der Aktivkohle durch Elution mit heißer Lauge zurückgewonnen und elektrolytisch abgeschieden oder mit Zinkstaub gefällt (Merrill-Crowe-Verfahren). Das dabei entstehende Rohgold – der sogenannte Doré – enthält typischerweise 60–90 % Gold und gelangt zur Affinage.
Umwelt und Regulierung
Cyanid ist hochtoxisch und persistiert in der Umwelt, wenn es unkontrolliert austritt – wie etwa beim Tailings-Damm-Bruch in Baia Mare (Rumänien, 2000). Der internationale International Cyanide Management Code (ICMC) legt seit 2002 freiwillige, aber marktrelevante Standards für Transport, Handhabung und Entgiftung der Abwässer fest. EU-Mitgliedstaaten haben die industrielle Cyanid-Haufenlaugung seit 2011 verboten (Bergbauabfall-Richtlinie), sodass die Methode in Europa heute praktisch keine Rolle mehr spielt, auf der Südhalbkugel jedoch weiterhin Standard ist.
Einfluss auf den Goldpreis
Der Erzgehalt (Grade) in g/t Gold und die Laugungsausbeute bestimmen maßgeblich die Produktionskosten (AISC). Sinkende Erzgehalte weltweit zwingen Minen zu mehr Energie- und Reagenzieneinsatz, was die Förderkosten treibt und langfristig das Goldpreis-Niveau beeinflusst. Der Schmelzwertrechner zeigt, welchen Materialwert das fertig raffinierte Metall am aktuellen Spotmarkt hat.
Kurz gemerkt
Die Cyanidlaugung macht modernes großindustrielles Goldmining erst wirtschaftlich möglich – sie ist effizient, aber ökologisch anspruchsvoll. Strenge Aufsicht und zertifiziertes Cyanid-Management sind heute Mindeststandard für verantwortungsvolle Primärförderung.