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Echtheitsprüfung

Säureprüfung

Auch: Säuretest, Touchstone-Test, Strichprüfung mit Säure

Die Säureprüfung ist ein chemisches Verfahren zur Bestimmung des Feingehalts von Gold- und Silberlegierungen, bei dem Prüfsäuren eine charakteristische Farbreaktion auf der Metalloberfläche oder einem Prüfstein hervorrufen.

Die Säureprüfung gehört zu den ältesten und am weitesten verbreiteten Methoden, um den Feingehalt von Edelmetallen vor Ort zu bestimmen. Sie nutzt die unterschiedliche chemische Beständigkeit von Gold- und Silberlegierungen gegenüber Säuren: Je höher der Edelmetallanteil, desto widerstandsfähiger reagiert die Probe. Für eine erste Einschätzung beim Ankauf von Altgold oder unbekannten Schmuckstücken ist sie nach wie vor ein praktisches Hilfsmittel – setzt jedoch Sachkenntnis und Schutzausrüstung voraus.

Funktionsprinzip

Das Verfahren beruht auf der Eigenschaft von Säuren, unedle Legierungsmetalle (Kupfer, Zink, Nickel) anzugreifen, während reines Gold selbst von konzentrierter Salpetersäure nicht gelöst wird. Die Prüfung erfolgt in zwei Varianten:

1. Strichprobe auf dem Prüfstein (Lydit) Ein schwarzer Basalt- oder Lyditstein nimmt einen Metallabrieb auf. Auf diesen Strich wird ein Tropfen der passenden Prüfsäure gegeben. Die Farbreaktion des Strichs verrät den ungefähren Feingehalt.

2. Direkter Tropfen auf die Metalloberfläche Weniger schonend, aber präziser: Die Säure wird direkt auf eine leicht angeritzte oder angeschliffene Stelle des Objekts getropft. Eine Schutzschicht (Vergoldung, Versilberung) muss dabei durchdrungen werden.

Prüfsäuren und ihre Reaktionen bei Gold

Die Logik des Säuretests: Reagiert der Strich auf der passgenauen Prüfsäure nicht, liegt der Feingehalt mindestens auf diesem Niveau. Tritt eine Reaktion auf, liegt er darunter.

Prüfsäure Ziel-Feingehalt Strich bleibt stabil bei … Reaktion (Auflösung/Verfärbung) bei …
8-Karat-Säure 333/1000 ≥ 333 (8 Kt und höher) < 333 (unecht oder Unedelmetall)
14-Karat-Säure 585/1000 ≥ 585 (14 Kt und höher) < 585 (z. B. 8-Kt-Stücke, Fake)
18-Karat-Säure 750/1000 ≥ 750 (18 Kt und höher) < 750 (z. B. 14-Kt-Stücke)
22-Karat-Säure 916/1000 ≥ 916 (22 Kt und höher) < 916 (z. B. 18-Kt-Stücke)

Den aktuellen Goldpreis können Sie jederzeit auf dieser Seite abrufen – relevant, sobald Sie den ermittelten Feingehalt in einen Schmelzwert umrechnen möchten.

Silberprüfung

Für Silber wird verdünnte Salpetersäure (HNO₃) verwendet. Reines oder hochlegiertes Silber (z. B. Britannia-Silber 958) reagiert langsamer und schwächer als niedriggelegiertes 835er Silber oder Neusilber (das gar kein Silber enthält und stark aufschäumt).

Schritt-für-Schritt-Ablauf

  1. Schutzausrüstung anlegen – Handschuhe und Schutzbrille sind Pflicht; Prüfsäuren sind ätzend.
  2. Prüfstein vorbereiten – Oberfläche reinigen, Metallstrich aufbringen.
  3. Säure dosieren – einen einzelnen Tropfen der passenden Prüfsäure auftragen.
  4. Reaktion beobachten – Farbe und Intensität innerhalb von 10–60 Sekunden ablesen.
  5. Vergleich mit Referenzstrich – ein Strich von einer Legierung bekannten Gehalts daneben legen verbessert die Treffsicherheit erheblich.
  6. Rückstände neutralisieren und entsorgen – mit Wasser spülen, Säurereste gemäß Gefahrstoffvorschriften entsorgen.

Den ermittelten Feingehalt können Sie anschließend im Schmelzwertrechner verwerten, um den Materialwert Ihres Stücks zu berechnen.

Grenzen der Methode

Die Säureprüfung liefert eine Schätzung, keine Präzisionsmessung. Wichtige Einschränkungen:

  • Vergoldete oder plattierte Objekte (z. B. Double/Golddouble) können die Oberfläche täuschen, wenn nicht tief genug angeritzt wird.
  • Wolfram-Fälschungen (Wolfram-Fälschung) mit echter Goldummantelung werden nicht zuverlässig erkannt.
  • Die Methode zerstört die Oberfläche minimal und ist daher für hochwertige Sammlermünzen oder Proof-Prägungen ungeeignet.
  • Fehlerquellen bei der Strichprobe: zu wenig Abrieb, verunreinigter Prüfstein, veraltete Säure.

Für eine zerstörungsfreie und präzisere Analyse empfiehlt sich die Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) oder die Dichtebestimmung nach Archimedes. Für Münzen bietet sich ergänzend die Münzen-Echtheitsprüfung an, die Gewicht und Abmessungen auswertet.

Rechtlicher Hinweis

Die Säureprüfung ersetzt keine offizielle Stempelung durch eine anerkannte Scheideanstalt. Für den Weiterverkauf oder die steuerliche Einordnung als Anlagegold (Umsatzsteuerbefreiung ab 995/1000) sind zertifizierte Prüfverfahren erforderlich. Hinweis: keine Steuer- oder Anlageberatung.

Kurz gemerkt

Die Säureprüfung ist ein schnelles, kostengünstiges Hilfsmittel zur Feingehaltschätzung von Gold und Silber – ideal für den ersten Überblick beim Ankauf, aber kein Ersatz für instrumentelle Analysemethoden bei hochwertigen oder verdächtigen Objekten. Wer den Materialwert nach der Prüfung berechnen möchte, nutzt den Schmelzwertrechner.

Zurück zum Lexikon Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026

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