Rhodinierung
Auch: Rhodinieren, Rhodiumplattierung, Weißgold-Rhodinierung
Galvanisch aufgetragene Rhodiumschicht auf Schmuck oder Münzen, die Glanz, Kratzfestigkeit und Anlaufschutz verbessert.
Die Rhodinierung bezeichnet ein galvanisches Verfahren, bei dem eine hauchdünne Schicht aus Rhodium – einem der seltensten Platingruppenmetalle – auf einen Schmuckgegenstand, eine Münze oder ein Bauteil aufgetragen wird. Das Ergebnis ist eine spiegelblank glänzende, silberweiß-kalte Oberfläche mit hoher Kratzfestigkeit und ausgezeichneter Anlaufbeständigkeit.
Warum wird rhodiniert?
Weißgold enthält in seiner Legierung oft Nickel oder Palladium, um die Gelbfärbung des Goldes zu neutralisieren – erreicht aber selten den kalten, strahlenden Weißton, den Kunden erwarten. Eine Rhodinierung kaschiert die leicht gelbliche oder graue Eigenfarbe der Legierung vollständig und verleiht dem Stück optisch die Anmutung von Platin. Auch Sterlingsilber wird gelegentlich rhodiniert, um das Anlaufen (Tarnish durch Schwefelverbindungen) zu verzögern.
Ablauf des Verfahrens
- Reinigung: Fett, Oxide und Fingerabdrücke werden durch Ultraschallbad und Entfetter entfernt.
- Aktivierung: Eine kurze Säurebeize stellt eine reaktive, oxide-freie Metalloberfläche sicher.
- Galvanisierung: Das Werkstück wird als Kathode in ein Rhodiumsulfat- oder Rhodiumphosphat-Bad getaucht; Gleichstrom scheidet Rhodium-Ionen als metallische Schicht ab.
- Spülung & Trocknung: Gründliches Spülen verhindert Badkontaminationen.
Die Schichtdicke liegt typisch zwischen 0,05 und 0,5 µm – bei hochbeanspruchten Stücken wie Ringen bis zu 1 µm. Dünnere Schichten sind kostengünstiger, verschleißen aber schneller.
Haltbarkeit und Erneuerung
Da Rhodium nur aufgelagert, nicht legiert ist, nutzt sich die Schicht durch Kontakt mit Haut, Schweiß und mechanischer Beanspruchung ab. Ringe und Armbänder müssen alle 1 bis 5 Jahre neu rhodiniert werden, Anhänger und Ohrringe deutlich seltener. Ein Goldschmied oder Juwelier kann die Schicht nach erneuter Reinigung und Aktivierung problemlos erneuern.
Rhodinierung bei Münzen
Einige Sammlermünzen in Proof-Qualität werden rhodiniert, um die polierte Spiegeloberfläche dauerhaft zu schützen. Dabei ist zu beachten, dass die Rhodiumschicht den Feingehalt der Münze nicht verändert, jedoch bei der Münzen-Echtheitsprüfung per Röntgenfluoreszenzanalyse das Oberflächensignal verfälschen kann. Eine Schmelzprobe oder der Schmelzwertrechner bildet stets den Basiswert des Kernmetalls ab.
Rhodium als Edelmetall
Rhodium gehört zu den teuersten und seltensten Metallen der Welt; sein Preis schwankte in den letzten Jahren zwischen einigen Hundert und über 20.000 USD je Feinunze (Rekordhoch 2021). Der Materialanteil einer Rhodinierungsschicht ist jedoch so gering (Bruchteile eines Milligramms), dass er keinen nennenswerten Materialwert darstellt – die Kosten entstehen primär durch den handwerklichen Aufwand und die Badvorbereitung.
Kurz gemerkt
Rhodinierung ist eine bewährte galvanische Oberflächenbehandlung, die Schmuck und Münzen optisch veredelt und vor Anlaufen schützt, aber regelmäßiger Erneuerung bedarf. Den eigentlichen Edelmetallgehalt des Grundstücks beeinflusst sie nicht.