Silbermünzen als Umlaufgeld
Auch: Kurantmünzen, Silberkurant, Umlaufsilber, Circulationsmünzen
Silbermünzen als Umlaufgeld waren staatlich geprägte Zahlungsmittel aus Silberlegierungen, die über Jahrhunderte den alltäglichen Geldverkehr dominierten, bis steigende Silberpreise ihre Einziehung und Ersetzung durch Münzen aus unedlen Metallen erzwangen.
Jahrtausende lang war Silber das Rückgrat des alltäglichen Zahlungsverkehrs. Von der athenischen Tetradrachme über den mittelalterlichen Pfennig bis zum deutschen Reichstaler und dem US-amerikanischen Morgan-Dollar prägte Silber buchstäblich das Geldwesen der Welt. Als Silber im 20. Jahrhundert dauerhaft als Industriemetall gefragt wurde und der Marktpreis über den Nennwert der Münzen zu steigen drohte, zogen Regierungen weltweit ihr Umlaufsilber ein – ein Lehrbuchbeispiel für das Greshamsche Gesetz: schlechtes Geld verdrängt gutes.
Historische Feingehalte im Überblick
Umlaufmünzen wurden selten aus Feingold oder Feinsilber geprägt; Legierungszusätze (Kupfer, Nickel) erhöhten die Abriebfestigkeit. Die Tabelle zeigt ausgewählte Feingehalte:
| Land / Münze | Zeitraum | Feingehalt | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Deutsches Kaiserreich (1 Mark) | 1873–1918 | 900 ‰ | Silberwährung bis WWI |
| Weimarer Republik (3 RM) | 1924–1933 | 500 ‰ | Legierungsmünze, geringerer Gehalt |
| Weimarer Republik / Drittes Reich (5 RM) | 1927–1939 | 900 ‰ | Silberwährung Großmünze |
| BRD (5 DM „Heiermann") | 1951–1974 | 625 ‰ | letztes deutsches Umlaufsilber |
| Österreich (1 Schilling) | 1924–1925 | 800 ‰ | Nachkriegsprägung |
| Österreich (2 Schilling) | 1928–1937 | 640 ‰ | Hauptumlaufmünze |
| Schweiz (Franken/Halvfranken) | bis 1967 | 835 ‰ | entspricht 835er Silber |
| USA (Dime, Quarter, Half Dollar) | bis 1964 | 900 ‰ | „Pre-65"-Münzen |
| USA (Half Dollar Kennedy) | 1965–1970 | 400 ‰ | Übergangslegierung |
| Großbritannien (Shilling) | bis 1919 | 925 ‰ | Sterlingsilber (britische Tradition) |
| Großbritannien (Shilling) | 1920–1946 | 500 ‰ | 1920 Reduzierung des Feingehalts |
Das Ende des Umlaufsilbers: das Greshamsche Gesetz in Aktion
Als der Silberpreis nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders in den 1960er-Jahren stieg, näherte sich der Schmelzwert vieler Münzen ihrem Nennwert an oder überstieg ihn. Privatpersonen begannen, Silbermünzen zu horten und einzuschmelzen – ein ökonomisch rationaler, aber für den Umlauf destruktiver Prozess. Den Schmelzwert einer Münze können Sie jederzeit anhand des aktuellen Silberkurses und des Feingehalts berechnen:
Schmelzwert = Raugewicht (g) × Feingehalt × Silberpreis (€/g)
Der US-amerikanische Coinage Act von 1965 schaffte das 90-%-Silber aus dem täglichen Umlauf ab. Die Bundesrepublik prägte ihre letzte Silber-5-DM-Münze 1974; danach folgte die Einziehung aus dem Umlauf.
„Pre-65"-Münzen als Sammel- und Anlageobjekt
Heute werden ehemalige Umlaufmünzen aus Silber in zwei unterschiedlichen Kontexten gehandelt:
- Numismatisch / als Sammlerstück – seltene Jahrgänge, hohe Erhaltungsgrade (VF, XF, MS) erzielen Prämien weit über dem Silberwert.
- Als „Junk Silver" – abgegriffene Münzen ohne numismatischen Mehrwert werden nach Gewicht gehandelt, oft in Säcken zu 1.000 USD Nennwert (USA). Der Handel orientiert sich am aktuellen Silberpreis.
Besonders bekannt sind US-„Pre-65"-Dimes, Quarters und Half Dollars sowie deutsche Silber-5-DM-Münzen und Schweizer Frankenmünzen bis 1967. Das Altsilber-Segment umfasst diese Stücke, sobald ihr Schmelzwert den numismatischen Wert dominiert.
Steuerliche Besonderheiten (kein Steuerrecht, kein Anlage-Rat)
In Deutschland unterliegt der Verkauf von Silbermünzen – anders als Anlagegold – grundsätzlich der Umsatzsteuer (aktuell 19 %). Für Händler kann die Differenzbesteuerung nach § 25a UStG greifen, die die Steuerbemessungsgrundlage auf die Handelsmarge begrenzt. Gewinne aus dem privaten Verkauf können unter die Spekulationsfrist (§ 23 EStG) fallen. Für individuelle Steuer- und Anlageentscheidungen ist stets ein Fachberater hinzuzuziehen – dies ist keine Steuer- oder Anlageberatung.
Kurz gemerkt
Silbermünzen als Umlaufgeld sind ein abgeschlossenes Kapitel der Geldgeschichte, hinterlassen aber einen lebendigen Markt: Ob als historisches Sammlerstück oder als günstiger Einstieg in physisches Silber – ihr Wert lässt sich mit dem Schmelzwertrechner und dem Silberrechner jederzeit transparent berechnen.