Strichprobe
Auch: Goldprobe, Strichstein-Probe, Touchstone-Test
Die Strichprobe ist ein klassisches chemisches Verfahren zur Bestimmung des Feingehalts von Goldlegierungen, bei dem ein Metallstrich auf einem Prüfstein mit Säurelösungen bekannter Konzentration verglichen wird.
Die Strichprobe gehört zu den ältesten Methoden der Goldprüfung und wird seit der Antike eingesetzt. Dabei reibt man das zu prüfende Stück auf einem Prüfstein (klassisch: lydischer Stein, ein schwarzer, feinkörniger Kieselschiefer) zu einem sichtbaren Metallstrich. Dieser Strich wird anschließend mit einer Prüfsäure bekannter Konzentration benetzt. Die Reaktion – Verfärbung, Auflösung oder Unversehrtheit – gibt Aufschluss über den Feingehalt der Legierung.
Ablauf Schritt für Schritt
- Vorbereitung: Prüfstein reinigen (Wasser oder Alkohol), Oberfläche muss mattiert sein.
- Strich ziehen: Das Prüfstück kräftig über den Stein reiben, bis ein deutlicher, gleichmäßiger Metallstrich entsteht.
- Vergleichsstrich: Einen Strich mit einem Prüfnadel-Set bekannten Feingehalts (z. B. 585, 750, 999) danebenlegen.
- Säure auftragen: Die passende Säurelösung tropfenweise auf beide Striche geben.
- Reaktion ablesen: Nach 15–30 Sekunden die Veränderung des Strichs beurteilen – Farbe, Auflösungsgeschwindigkeit und Rückstand werden verglichen.
- Reinigen und dokumentieren: Prüfstein abwischen, Ergebnis notieren.
Säurelösungen nach Feingehalt
| Prüfsäure | Konzentration (Salpetersäure/Salzsäure) | Zielbereich Gold |
|---|---|---|
| 333er-Säure | verdünnte Salpetersäure (~10–15 %) | Bis 375 Feingehalt |
| 585er-Säure | mittlere Salpetersäure (~20–30 %) | 375–585 |
| 750er-Säure | konzentrierte Salpetersäure (~45 %) | 585–750 |
| 999er-Säure / Königswasser | Salzsäure + Salpetersäure (3:1) | Hochkarat / Feingold |
Goldlegierungen mit hohem Feingehalt widerstehen schwächeren Säuren vollständig, während minderwertigere Legierungen (z. B. 333er Gold) bereits auf verdünnte Salpetersäure reagieren. Königswasser – das einzige Mittel, das Feingold löst – kommt nur bei Feingehalt-Grenzfällen über 900 zum Einsatz.
Stärken und Grenzen der Methode
Vorteile:
- Kein Strom, kein teures Gerät – überall einsetzbar
- Sofortergebnis für erfahrene Prüfer
- Geringes Zubehör (Prüfstein + Säureset)
- Zerstörungsarm (nur minimaler Materialabrieb)
Grenzen:
- Erfordert Übung und eine ruhige Hand; Anfängerfehler führen zu Fehldiagnosen
- Genauigkeit von ± 5–10 Tausendstel reicht für viele Zwecke, nicht aber für Assay-genaue Messungen
- Bei plattierten Stücken (z. B. Double/Golddouble) kann der Strich täuschend korrekt aussehen, wenn die Schicht dick genug ist
- Silber und Platin sind schwerer einzustufen als Gold; für Platin empfiehlt sich ergänzend eine Dichtebestimmung oder Röntgenfluoreszenzanalyse
- Säuren sind ätzend – Schutzbrille und Handschuhe sind Pflicht
Strichprobe vs. moderne Verfahren
Für Privatpersonen, Ankäufer und Pfandhäuser bleibt die Strichprobe ein bewährter Schnelltest. Wer höhere Sicherheit benötigt – etwa beim Ankauf größerer Mengen Bruchgold oder bei Verdacht auf Wolfram-Fälschungen – sollte die Ergebnisse mit einem zweiten Verfahren absichern: Dichtebestimmung nach Archimedes, Röntgenfluoreszenz (RFA) oder Ultraschallprüfung. Den aktuellen Goldpreis und den daraus resultierenden Materialwert berechnet der Schmelzwert-Rechner auf Basis des ermittelten Feingehalts.
Kurz gemerkt
Die Strichprobe ist ein robustes, kostengünstiges Erstscreening für Goldlegierungen. Sie liefert in Minuten eine belastbare Einschätzung des Feingehalts – setzt aber Übung, geeignete Säuren und das Wissen um ihre Grenzen voraus. Als alleiniges Verfahren genügt sie für unkritische Ankäufe; bei wertvollen Einzelstücken ergänzen präzisere Methoden das Bild.