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Physik & Chemie

Schmelzpunkt

Auch: Schmelztemperatur, Fusionspunkt

Der Schmelzpunkt ist die Temperatur, bei der ein Stoff unter Normaldruck vom festen in den flüssigen Aggregatzustand übergeht, ohne dass sich die Temperatur während des Schmelzens ändert.

Der Schmelzpunkt (auch Schmelztemperatur) beschreibt einen fundamentalen Zustandswechsel der Materie: Wird ein kristalliner Feststoff auf diese charakteristische Temperatur erhitzt, bricht das geordnete Gitter zusammen und der Stoff wird flüssig. Während des gesamten Schmelzvorgangs bleibt die Temperatur konstant – die zugeführte Energie fließt ausschließlich in die sogenannte Schmelzenthalpie, nicht in eine weitere Erwärmung. Dies macht den Schmelzpunkt zu einem stoffspezifischen und hochpräzisen Kennwert, der in Analytik, Metallurgie und Edelmetallverarbeitung zentrale Bedeutung besitzt.

Physikalischer Hintergrund

Der Schmelzpunkt ist der Gleichgewichtspunkt zweier Phasen: Fest und Flüssig koexistieren, solange Wärme zugeführt wird. Für reine, kristalline Stoffe ist er scharf definiert; Legierungen hingegen schmelzen über einen Bereich (Solidus- bis Liquidustemperatur), weil die Komponenten unterschiedliche Gitterbindungen mitbringen.

Schmelzprozess (reiner Stoff):
────────────────────────────────────────────────────
Temperatur ▲
           │            ●●●●●●●● (flüssig)
           │           ●
Schmelz-   │──────────●────────────── T_m (konstant)
punkt T_m  │        ●
           │      ●● (fest + flüssig gleichzeitig)
           │    ●●
           └──────────────────────────────────► Zeit
         Wärmezufuhr →
────────────────────────────────────────────────────

Der Schmelzpunkt ist druckabhängig: Erhöhter Druck verschiebt ihn bei den meisten Metallen geringfügig nach oben. Für Standardangaben gilt stets Normaldruck (1.013,25 hPa).

Schmelzpunkte der Edelmetalle im Vergleich

Die Schmelzpunkte der wichtigsten Edelmetalle und verwandten Metalle unterscheiden sich erheblich und haben direkte Auswirkungen auf Schmelz-, Legie­rungs- und Verarbeitungsprozesse:

Metall Symbol Schmelzpunkt Besonderheit
Gold Au 1.064 °C Gut schmelzbar, seit Jahrtausenden verarbeitet
Silber Ag 961,8 °C Niedrigster Schmelzpunkt der Münzmetalle
Kupfer Cu 1.085 °C Basis vieler Goldlegierungen (585/750)
Palladium Pd 1.555 °C Platingruppenmetall, wichtig in Legierungen
Platin Pt 1.768 °C Sehr hoher Schmelzpunkt, anspruchsvolle Verarbeitung
Rhodium Rh 1.964 °C Höchster unter den Standardedelmetallen
Iridium Ir 2.447 °C Extrem schwer zu schmelzen
Wolfram W 3.422 °C Höchster Schmelzpunkt aller Metalle

Der niedrige Schmelzpunkt von Silber im Vergleich zu Platin erklärt, warum Silberschmiede seit der Antike mit einfacheren Öfen auskamen, während die Verarbeitung von Platinmetallen erst mit modernen Hochtemperaturöfen und Lichtbögen möglich wurde.

Bedeutung für Legierungen

Werden zwei oder mehr Metalle zusammengeschmolzen, entsteht eine Legierung, deren Schmelzpunkt sich vom Schmelzpunkt der Einzelkomponenten unterscheidet. Besonders wichtig ist dabei das eutektische Gemisch: die Zusammensetzung, bei der das Schmelzpunktminimum eines Mehrkomponentensystems erreicht wird.

Für Edelmetalllegierungen gilt:

  • 585er Gold (14 Karat): enthält neben Gold typischerweise Silber und Kupfer; der Schmelzbereich liegt je nach Legierung bei etwa 880–950 °C – deutlich unter dem Goldschmelzpunkt.
  • 750er Gold (18 Karat): Schmelzbereich meist 880–960 °C.
  • Weißgold mit Palladium: Palladiumzusatz hebt den Schmelzpunkt an (auf bis zu 1.100–1.200 °C).
  • Sterlingsilber (925): Schmelzpunkt ca. 893 °C (gegenüber 961,8 °C für Feinsilber).

Dieses Verhalten ist für Goldschmiede, Scheideanstalt und Recycling-Betriebe praxisrelevant: Beim Schmelzwertrechner wird der Materialwert auf Basis des Feingehalts ermittelt – unabhängig vom konkreten Schmelzpunkt der Legierung.

Relevanz für die Echtheitsprüfung

Der Schmelzpunkt ist ein indirektes Sicherheitsmerkmal: Wolframfälschungen von Goldbarren werden oft durch den hohen Schmelzpunkt von Wolfram (3.422 °C) theoretisch demaskiert, da Wolfram bei Goldschmelztemperatur fest bleibt. Praktisch wird dies jedoch eher durch Dichtebestimmung, Röntgenfluoreszenzanalyse oder Ultraschallprüfung nachgewiesen, da echter Schmelztest den Barren zerstören würde.

Für die alltägliche Prüfung empfehlen sich zerstörungsfreie Methoden; der Münzgewicht-Prüfer hilft dabei, Münzen anhand von Gewicht und Maßen auf Echtheit zu prüfen.

Schmelzpunkt und Recycling

In der Edelmetall-Affinage und beim Recycling von Bruchgold, Zahngold und Altschmuck spielt der Schmelzpunkt eine wichtige Rolle bei der Prozessplanung. Höhere Schmelztemperaturen bedeuten:

  • Höherer Energieeinsatz beim Einschmelzen
  • Speziallegierungen für Tiegel und Formen nötig (z. B. Graphit, Keramik)
  • Längere Abkühlzeiten

Gold und Silber lassen sich wegen ihrer vergleichsweise niedrigen Schmelzpunkte besonders wirtschaftlich recyceln – ein Faktor, der das Recycling von Edelmetallen im Vergleich zu Industriemetallen mit sehr hohen Schmelzpunkten begünstigt.

Kurz gemerkt

Der Schmelzpunkt ist eine der präzisesten physikalischen Kenngrößen eines Metalls: Er liegt für Edelmetalle zwischen rund 962 °C (Silber) und fast 2.000 °C (Rhodium), bleibt für Reinmetalle exakt konstant und verändert sich bei Legierungen zu einem Schmelzbereich. Für die Praxis in Goldschmiede, Scheideanstalt und Edelmetallprüfung ist er unverzichtbares Basiswissen – vom Schmelzwertrechner über die Legierungsplanung bis zur Fälschungserkennung.

Zurück zum Lexikon Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026

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